Zahlreicher sind die Dinge, die uns schrecken, als die, welche uns drücken, und öfter leiden wir in der Einbildung als in der Wirklichkeit.

Nur diese Lehre gebe ich dir: sei nicht unglücklich vor der Zeit; denn das, was dich, als dir drohend, in Angst versetzt, wird vielleicht nie kommen, oder ist wenigstens noch nicht gekommen.

Einiges also quält uns mehr, als es sollte, wieder anderes, was uns überhaupt gar nicht quälen sollte. Wir vergrößern entweder unseren Schmerz, oder erdichten ihn, oder nehmen ihn voraus.

Frage dich selbst: Quäle und kümmere ich mich etwa ohne Grund, und mache ich vielleicht zu einem Übel, was keines ist? "Wie aber", fragst du, "soll ich erkennen, ob es richtig oder wahr ist, was mich ängstigt?" Vernimm darüber diese Regel: Wir werden entweder von Gegenwärtigem oder von Zukünftigem oder von beidem zugleich gequält.

Über das Gegenwärtige ist das Urteil leicht. Ist dein Körper frei, ist er gesund und wird ihm durch keine Verletzung Schmerz bereitet, nun, so sehen wir zu, was da kommen wird; für heute hat es nichts auf sich.

"Aber es wird kommen."

Fürs erste untersuche, ob sichere Zeichen vorhanden sind, daß ein Übel kommen wird; denn meistens sorgen wir uns über Vermutungen ab ...