Ein Zipfel der Tagesschau im Internet ist noch erreichbar, der Text der Spitzenmeldung: Weiteres Flugzeug auf das Pentagon gestürzt. Die grafischen Elemente der Seite werden nicht mehr übertragen. Nichts geht mehr.

Ein Antennenkabel wird durch Zimmer gezogen. Ich installiere - nach Jahren - wieder den kleinen Fernseher aus der Abstellkammer auf meinem Schreibtisch, neben dem großen Computermonitor.

Das Fernsehen ist wieder da. Mit ihm die bittere Einsicht, dass sich die Vorstellung, die bedeutenden Dinge würden sich künftig im High-Tech-Universum ereignen, gerade auf schreckliche Weise in Rauch auflöst. Während wieder und wieder gezeigt wird, mit welcher Wucht und Brutalität pur analoges Geschehen die beiden Türme des World Trade Centers zum Einsturz bringt, stürzen auf dem eiligen Tickerband am unteren Rand die Kurse.

Nach zwei Stunden vor dem Fernseher muss ich raus. Aus dem Unfassbaren, das da aus der Ferne herantransportiert worden ist in die gespenstische Leichtigkeit des Fernsehbilds, hat sich ein brennendes Bedürfnis nach der stillen Gegenwart vor dem Fenster erhoben - eine Art Gegengewicht vielleicht.

Nass geregnet werden, Kälte spüren. Ich versuche mich zu vergewissern, dass alles noch da ist und diese fürchterliche Ferne, die da angekommen ist, noch nicht von allem Besitz ergriffen hat. Niemand ist auf der Straße, dann zwei Frauen unter einem Schirm, die offenbar noch nicht wissen, dass die Welt nicht mehr ist, wie sie war. Autos auf einer Hauptverkehrsstraße. Die Insassen, ähnlich wie die Menschen hinter den beleuchteten Wohnungsfenstern, wirken leicht betäubt. In einen Medienraum hineinimplodiert, der plötzlich die Gravitationskraft eines schwarzen Lochs entwickelt.

Ich kann den Regen sehen, aber nirgendwo ist ein Tropfen zu erkennen, der auf dem nass glänzenden Asphalt auftrifft. Dieses unglaubliche Gefühl, das mit nach draußen gekommen ist, wird als Vorstellung sichtbar: Tausende winziger Flugzeuge, und jedes rammt einen Regentropfen und lässt ihn nicht einmal mehr zu Boden stürzen.

In den ersten Stunden nach den Attentaten war das Web der Informationsnachfrage nicht gewachsen. CNN zählt an einem durchschnittlichen Tag elf Millionen Page-Views, an diesem Morgen waren es neun Millionen pro Stunde. Die Suchmaschine Google ersuchte ihre Besucher, Radio und Fernsehen einzuschalten.