"CNN - breaking news" berichtete sachlich, nüchtern, fassungslos. Jedem Moderator, jeder Berichterstatterin war anzusehen, dass ein solches Inferno die Vorstellungskraft und auch ihre Sprache überforderte. Menschen, von Kameras in der Totalen erfasst, sprangen um ihr Leben in den Tod. Es gab keine Möglichkeit, solche Bilder mit Sprache zu begleiten. CNN nehmen wir dann besonders wahr, wenn die Welt brennt, wie zuletzt beim Golf- oder Balkankrieg. Szenarien fernab der amerikanischen Heimat, versehen mit dem Inszenierungsfaktor, die man wie Kriegstheater ablaufen ließ. Jetzt war der Schauplatz Manhattan und die Fassungslosigkeit greifbar. Über Stunden hinweg die gleichen Bilder. Immer wieder dieser eine Sturzflug, eine Art Mantra des Grauens in 100facher Wiederholung. In seltener Einigkeit hatten alle großen Sender sich ausschließlich dieser Berichterstattung gewidmet. Ich war froh, dass ich nicht auf dem Dienstplan stand. Viva schaltete ganz ab. Respekt. Auf MTV hingegen sprengte die Band Gorillaz in ihrem Comic-Clip Brücken und Menschen in die Luft. Pietätlos!

Die Welt stand still, nur der europäische Fußballverband schien von alldem unberührt. Mit welchem Zynismus Uefa-Funktionäre business as usual pflegten, verschlägt mir die Sprache. Nicht zu beneiden die Schalker Fans, die unter der riesigen Kuppel, ratlos, sicherlich an diesem Abend am wenigsten an Fußball gedacht haben. Ganz zu schweigen von dem, was man Fußballspielern in einer solchen Situation zumutet. Der Fußball hätte sich seiner eigenen bescheidenen Größe bewusst sein müssen. Premiere World sendete, RTL ebenfalls. Und der Gedanke drängt sich auf, dass man manchmal mehr gewinnt, wenn man ein Gespür dafür hat, wann man auf ein Geschäft verzichten sollte. Auch eine Lehre an dem Tag, an dem wir dem Schrecken ins Auge blicken mussten - um wenige Stunden später bereits über den Inhalt dieser Kolumne nachzudenken, die am Tag ihres Erscheinens womöglich bereits von weiteren Katastrophen überholt ist.