Sehr geehrter Herr Präsident Bush,

sehr tief ist unser Mitleid mit der amerikanischen Bevölkerung. Die terroristischen Taten, die so vielen Menschen das Leben geraubt haben, sind schreckliche Verbrechen, die wir vom Afghanischen Frauenverein in Deutschland in aller Stärke verabscheuen und verurteilen.

Wir leben im Exil, wir wissen, was es bedeutet, Opfer des Fanatismus zu sein. Das Regime der Taliban unterstützt nicht nur den Terrorismus. Die Taliban haben in wenigen Jahre die politischen Institutionen in Afghanistan vernichtet, das gesellschaftliche und kulturelle Leben zum Verstummen gebracht. Vor allem haben die Frauen unter dem Fundamentalismus unendlich zu leiden. Sie haben als Menschen keine Rechte mehr und werden, wenn es die Taliban-Richter so bestimmen, wie Tiere abgeschlachtet, vor den Augen ihrer Kinder. Sie hungern, sind psychisch krank, verzweifelt.

Ungeheuerlich sind das Leid und das Elend der afghanischen Bevölkerung. Unser Volk hat in Jahrzehnten des Krieges alles verloren. Die afghanische Bevölkerung ist Geisel eines Terrorregimes. Viele Menschen sind geflüchtet, viele mussten bleiben, in ihren Häusern, ihrem Land eingesperrt.

Bitte, Herr Präsident, lassen Sie keine Bomben auf Afghanistan fallen. Die Terroristen haben ihr Versteck, auch die Taliban wissen sich zu schützen. Nur die Frauen und die Kinder, die Verstümmelten und die Greise können nicht entkommen. Sie haben keine Kraft zu fliehen. Und wohin denn, die Flüchtlingslager sind überfüllt, die Grenzen geschlossen. Die Menschen sind Gefangene im eigenen Land. Lassen Sie es nicht zu, Herr Präsident, dass die afghanische Zivilbevölkerung mit Feuer und Gewalt vernichtet wird. Verfolgen Sie die Terroristen, verschonen Sie die Unschuldigen!

Wir Frauen geben das Leben, für uns ist es das Allerwichtigste. Jedes Leben. Wir trauern um die Toten Ihres Volkes, Herr Präsident. Für unser Volk findet unsere Trauer kein Ende.

Herr Präsident, lassen Sie unsere afghanischen Alten, unsere Kinder und Schwestern leben. Keine Bomben, bitte.