Der Predigttext für den heutigen Sonntag finden wir im 17. Kapitel des Lukas-Evangeliums, in den Versen 5 und 6, also lautend:

5 Und die Apostel sprachen zu dem Herrn: Stärke uns den Glauben! 6 Der Herr aber sprach: Wenn ihr Glauben hättet so groß wie ein Senfkorn, dann könntet ihr zu diesem Maulbeerbaum sagen: Reiß dich aus und versetze dich ins Meer!, und er würde euch gehorchen.

Liebe Gemeinde!

Diese wenigen Sätze könnten wir geradezu als das "Hohelied des Glaubens" bezeichnen. Aber, pardon, mir ist heute - und nach den letzten zwei Wochen erst recht - gar nicht danach, dies Lied anzustimmen, es einfach so anzustimmen. Ich bin mir gar nicht so sicher, ob die Leute, ob manche Leute wirklich zu wenig - oder ob sie im Gegenteil: nicht eher viel zu viel glauben. Ja, mitunter wünschte ich mir, sie glaubten - besser einfach gar nichts.

Wie viel Unheil über diese Welt gekommen ist durch großen, großmächtigen Glauben - darüber müssen wir ja nicht erst nachdenken, seitdem extremistische Islamisten die Terroranschläge in New York und Washington gesteuert und verübt haben. Als der amerikanische Präsident George W. Bush im ersten Entsetzen einen "Kreuzzug" gegen den Terrorismus ankündigte, erinnerte er, gewiss unfreiwillig, nicht nur den ganzen Islam, sondern auch uns alle an die allerchristlichsten Kreuzzüge gegen den Islam, an eine mörderische Kampagne, die ihrerseits gewiss auch das Prädikat "terroristisch" verdient hat.

Am Rande einer Ausstellung in Paderborn unter anderem über die ebenfalls terroristische Christianisierung der Sachsen raunte mir ein guter katholischer Erzbischof zu: "Mir kann diese Christianisierung immer noch nicht gefallen!"

Merkwürdig, was den Menschen alles heilig ist! Den Serben das Amselfeld, der Kosovo - einigen jüdischen Siedlern ein Land, das ihnen in keinem Grundbuch der Welt gehört, allenfalls in den phantastischen Vermessungsblättern eines drangvoll-verdrängenden Glaubens. Immer, wenn wir etwas, was wir nicht sind, sondern was uns angeblich gehört, für heilig erklären, droht ein unheiliger Krieg.