Auch das "Handelsblatt" lässt Hoffnung verbreiten, zumindest für die wirtschaftliche Entwicklung: "Kanzler beschwört Zuversicht". Ansonsten schreibt die "Welt" "Taliban drohen USA mit Heiligem Krieg". Die "Süddeutsche Zeitung" titelt "Bush sucht breite Anti-Terror-Allianz" und die Frankfurter Rundschau meint: "Auslieferung reicht den USA nicht". "Die Tageszeitung" lenkt die Sicht auf die deutschen Diskussionen ü ber die Bewertung von Religionsgemeinschaften. "Islamisten bieten Schily Pakt an" weiß die taz. Der Zentralrat der Muslime begrüßt demnach die heute vom Kabinett zu beschließende Abschaffung des Religionsprivilegs. Ganz auf die Angst vor Terroranschlägen in Deutschland setzt heute die "Bild" Zeitung. "Kanzler, wie schlimm wird es für uns?" fragt das Blatt und kündigt gleich sieben superbunte Sonderseiten an, die von "Löchern des Todes" und "Terror-Piloten" berichten.

Börsen beruhigen sich

Zumindest die Börsen könnten das Schlimmste vielleicht schon hinter sich haben - glaubten gestern zumindest amerikanische Investoren. Der Dow Jones schaffte es zwischenzeitlich auf ein Plus von 100 Zählern, verlor am Ende dann aber doch 15 Punkte. Die 9000er Marke konnte er also nicht halten. Die europäischen Indizes wollten der wiedererstarkten Wall Street gestern nicht so recht folgen, verzeichneten aber nur milde Verluste. "An den Finanzmärkten kehrt ein wenig Ruhe ein" schreibt die "Frankfurter Rundschau". Sogar die US-Fluggesellschaften holten auf. Am Montag waren sie mit Verlusten zwischen 30 und 50 Prozent besonders geschlagen. Die Lufthansa verlor allerdings erneut 8 Prozent. Sie hat inzwischen mehrere transatlantische Verbindungen gestrichen, darunter den einzigen Berliner Direktflug nach Nordamerika.

"Ich bin außerordentlich besorgt über die wirtschaftliche und konjunkturelle Entwicklung in Deutschland" sagte Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt der "Frankfurter Rundschau". Der amerikanische Präsident schnürt derweil ein weiteres Konjunkturpaket. Die Airlines forderten 24 Milliarden Dollar Hilfen vom Staat. Bush schlägt dem Kongress Senkungen der Unternehmenssteuern und der Kapitalertragssteuer vor.

Die Angst vor einer Rezession geht um. Die Zinssenkungen dieser Woche sieht ein Kommentar der "Frankfurter Allgemeinen" als positives Signal. Die schlechte Stimmung an den Börsen herrsche nun schon seit 18 Monaten: "Das Zittern an den Börsen geht weiter. Niemand kann vorhersagen, welche wirtschaftlichen Auswirkungen der Angriff auf Amerika haben wird". Trotzdem könnte es bald anders aussehen, denn meistens k ündigen sich Erholungen mit Kurssprüngen an: "Wie die Vergangenheit zeigt, setzt die Erholung an den Börsen ein, noch bevor sich der konjunkturelle Aufschwung niederschlägt. Wenn es zur Kurswende kommt, wird diese schnell und kräftig ausfallen". Auf seiner Seite Drei berichtet der "Tagesspiegel" fast schon Unheimliches aus der Wall Street. Das Finanzhaus Morgan Stanley, mit weltweit immerhin 63.000 Mitarbeitern, hatte es wohl schon immer geahnt. Die Firma schaffte es ihre 3500 Mitarbeiter - bis auf acht - aus dem World Trade Center rechtzeitig zu evakuieren. Immerhin lagen deren Büros zwischen der 43. und 74. Etage. Doch schon fünf Tage nach der Katastrophe konnten die Beschäftigten wieder handeln, da Morgan Stanley die Weitsicht besessen hatte, Büroraum in New Jersey für den Ernstfall vorzuhalten. Mit so viel Weitsicht hatte die Konkurrenz von Merryll Lynch nicht gerechnet. Die hatte vorschnell verkündet, nun habe der Aktienmarkt "einen neuen Marktführer".

Auslieferung von bin Laden?

"Das Tauziehen um die Auslieferung des Terroristen bin Laden geht weiter" schreibt das "Handelsblatt". Fü r heute werde in Kabul mit einer Entscheidung gerechnet. Der Kommentator der "Frankfurter Allgemeinen" fragt: "Beginnt ein Spiel auf Zeit, mit Bedingungen für eine Auslieferung, die den Anschein erwecken sollen, die Machthaber in Kabul, seien zu einem Einlenken bereit?" Eine militärische Konfrontation mit den USA wird dies nach Meinung der FAZ nicht abwenden. Man könne sich kaum vorstellen, dass die Taliban sich einem Ultimatum der USA beugen würden. Die Konflikte von morgen ziehen auf: "Die sich in der Zone wohlfeiler Empörung aufhalten, werden sich entscheiden müssen, ob sie an diesem Kampf mitwirken oder in Solidarisierung mit den Taliban an neuen Opferrollen stricken wollen". Wohl noch nie waren so viele Artikel zu lesen, die sich mit dem Islam auseinandersetzen. Die "Frankfurter Rundschau" versucht in einem Kommentar die unheilige Allianz von Glaube und Gewalt zu analysieren. "Ein Grund ist, dass alle Religionen für sich beanspruchen, im Besitz der allein seelig machenden Wahrheit zu sein, obwohl sie in sich höchst widersprüchlich und auslegungsbedürftig sind." Es reiche nicht aus, wenn Muslime sich nur von den Attentaten distanzieren, meint Katharina Sperber: "Sie haben Glaubensbrüder, die Terroristen sind oder Frauen steinigen". Sollte es zu einem Krieg kommen, dann könne sich Deutschland nicht mehr auf seine Vergangenheit berufen, wie der Außenminister es noch beim Kosovo-Krieg getan hatte, mit seinem Verweis auf Auschwitz. "Das was jetzt kommt, eignet sich für deutsche Vergangenheitsprojektionen dagegen ü berhaupt nicht mehr. bin Laden kann man beim besten Willen nicht zu einem Hitler umdeuten, die Taliban nicht zur SS und die grässlichen Terroranschläge nicht zu einem Völkermord" schreibt Bernd Ulrich vom "Tagesspiegel".