In den Krieg ziehen?

Verwunderung über die bislang gezeigte Besonnenheit bringt sogar die "taz" zu netten Worten über den US-Präsidenten: "George W. Bush verdient ein Lob - noch". Bernd Pickert geht noch weiter: "Man muss es zugestehen: das außenpolitische Team der Bush-Regierung verhält sich sehr, sehr klug." Sogar Clinton habe unkontrollierter agiert. Der Autor meint, die meisten Länder fürchteten eher einen unbedachten Schlag der USA, als weitere Terrorattacken. Der sich immer noch links oder per se US-kritisch definierende Teil der "taz"-Leserschaft wird dann aber doch noch beruhigt: "Es erscheint gewagt, die Bush-Regierung zu früh zu loben. Wer aber Einfluss auf die Ereignisse der nächsten Tage nehmen will, muss die USA in ihrem abgewogenen Handeln bestärken. Auch die Friedensbewegung." Von der hatte man ja auch länger nichts gehört.

Im Kommentar der "Welt" zeigt sich, dass es auch anders geht. "Präsident Bush hat sich Klarheit verschafft über die Täter - und er wird Methoden finden, ihnen das Handwerk zu legen." Nikolaus Blome kennt nicht nur die Geheimnisse des Capitols, er hat auch im Berliner Kanzleramt seine Spione. "Deutschland wird dabei ein verlässlicher Partner sein". Nur das Publikum ist der "Welt" noch nicht weit genug in seiner Kriegsbefürwortung. "Doch ist auch die breite Öffentlichkeit bereit, der Politik auf diesem Weg zu folgen? Noch werden da und dort Feindbilder bemüht. Aber deren Zeit ist endgültig vorbei." Wie das, haben wir nicht gerade Konjunktur bei Feinbildern? Hat der Kommentator sogar geheimen Zugriff zum Redemanuskript von Bush gefunden? Dessen Rede wurde erst um 03.00 Uhr MEZ gehalten, deutlich nach Andruck der "Welt". "Er spricht von Gerechtigkeit, und eben nicht von Rache. Das muss man ihm glauben und deshalb können wir ihm vertrauen. Nach seiner Rede mehr denn je".

Aber auch die "Süddeutsche" ist relativ eindeutig in ihrer Haltung. Nur spricht sie nicht so gern von Krieg. "Die Gemeinschaft kann nicht abseits stehen, wenn die USA jetzt alle Kräfte mobilisieren. Die immer wieder beschworene transatlantische Partnerschaft ist keine Einbahnstraße." Der Kommentator setzt aber auch auf die mäßigende Wirkung Europas, das noch am besten in der Lage sei, "die USA auch von unbedachten Schnellschüssen abzuhalten". Mit der Auslieferung Bin Ladens scheint in den Zeitungen niemand zu rechnen, auch nicht mit seiner Ausreise aus Afghanistan. Die USA aber geraten durch die Taktik der Taliban womöglich in Legitimationszwänge, meint ein Kommentartor der "Frankfurter Allgemeinen". "Die Ungewißheit macht es für die Amerikaner nicht leichter, ihre Entscheidungen zu treffen. Falls Bin Laden ginge, wären die Taliban zunächst ein wenig aus der Sache heraus."

Sicherheit von Atomanlagen

Die Atomkraftgegner hatten es schon in den Siebzigern behauptet. Nur wurden sie damals von vielen als naive Spinner abgetan. Ein AKW würde nicht dem Aufprall einer großen Verkehrsmaschine standhalten - das war immer klar. Auch die Kraftwerksbetreiber haben das nie geleugnet. Aber es erschien ihnen eben als zulässiges Restrisiko. Für Kampfjets aber seien die Meiler undurchdringbar, hieß es meist. Auch das ist wohl nicht ganz richtig. Nach einem Bericht der "Süddeutschen" wären ältere Anlagen wie Biblis A, Stade und Obrigheim nicht einmal stabil genug, um ein Kampfflugzeug abzuwehren. Eine 737 würde also überall ein Desaster auslösen wie Tschernobyl. Noch streiten Piloten darüber, ob man die Anlagen überhaupt treffen könne, sie seien vielleicht zu klein. Wenn das nicht helfen sollte, die Betreiber haben ihre Aufwendungen für die Sicherheit schon mal drastisch erhöht: "Jetzt stehen mehr Wachmänner an der Pforte". Stromkonzerne wie Eon werben gern mit dem Busen von Frau Ferres, die Rundungen eines AKW sind ihnen nicht werbewirksam genug. Aber keine Panik, Stilllegungen sind nicht geplant. Ein Sprecher aus dem Hause Trittin, weiß auch nur den Rat "im Krisenfall abschalten". Abgesehen davon, dass das nichts nützt. Wann beginnt eigentlich der Krisenfall?

Börsen auf Rekordtiefs