Thema des Tages sind heute die Vorgänge in Afghanistan. "Taliban rüsten zum ‚Heiligen Krieg'"titeln fast wortgleich "Süddeutsche Zeitung", "Welt" und "Frankfurter Rundschau". Kürzer, aber nicht unbedingt informativer, ist die Variante der "tageszeitung": "Bereit zum Krieg". Böse Zungen werden behaupten, dass man ähnliches auch über den Wahlsieger von Hamburg sagen kann, den Amtsrichter und Scharfmacher Ronald Barnabas Schill. "CDU, FDP und Schill verhandeln über Senatsbildung in Hamburg", macht die "Frankfurter Allgemeine" auf. Etwas pointierter kommt der "Tagesspiegel" daher: "CDU will mit Schill regieren", aber die knalligste Schlagzeile liefert natürlich die "Bild: "Alles klar für Senator Gnadenlos?" Direkt daneben steht übrigens ein Bericht über die tierischen Opfer aktueller Liebeshändel ("Ulla Kock am Brink: Jetzt schiebt sie ihren Hund ab"), darunter Neues vom mutmaßlichen Attentäter ("Das ist bin Ladens Kriegserklärung"). Wie nennt man eine solche Themenmischung doch gleich? Vielleicht: grotesk?

Taliban rüsten zum Krieg

Die Taliban haben nach eigenen Angaben 300.000 zusätzliche Kämpfer für den "Heiligen Krieg" gegen die USA mobilisiert. Die pakistanische Regierung hat unterdessen die diplomatischen Beziehungen nach Afghanistan abgebrochen. Damit hat sich auch der letzte Verbündete der Taliban zurückgezogen. "Der Konflikt bewegt sich auf den Siedepunkt zu", schreibt der Kommentator der Süddeutschen Zeitung. "In dieser Situation sollte die Welt wenig auf die Propaganda aus dem ideologischen Dunstkreis von Osama bin Laden geben. So etwa fordern die Taliban den Abzug der USA aus Saudi-Arabien und Zurückhaltung im Nahost Konflikt. Das ist Nebbich. Den Taliban geht es nicht um Verhandlungen, es geht ihnen um Aufwiegelei. Nur wenn es gelingen sollte, islamische Fundamentalisten von Algier bis Jakarta auf die Straßen zu treiben, nur dann können sie ihre Isolation noch durchbrechen. Der islamistische Flächenbrand als politisches Gestaltungsmittel - dem Wahnsinn aus Kabul sind offenbar keine Grenzen gesetzt. Umso wichtiger, dass die USA und ihre Anti-Terror Allianz umsichtig reagieren."

Über die jüngste amerikanische Maßnahme im Anti-Terror Kampf berichtet das "Handelsblatt" in seinem Aufmacher: "Bush startet Jagd auf Terror-Gelder". Dem Artikel zufolge gab Bush ein Dekret heraus, das darauf abzielt, die Vermögen von 27 Personen, Organisationen und Firmen einzufrieren. Ein Teil der Vermögen liegt allerdings nicht auf amerikanischen Konten. Aufgrund dessen hat die US-Regierung keinen direkten Zugriff darauf. "Nun sind gerade auch die Europäer gefordert", schreibt Bernd Ziesemer in seinem Kommentar für "Handelsblatt". "Deutschland und Großbritannien gehören nach den bisherigen Erkenntnissen der Sicherheitsbehörden zu den bevorzugten Geldtransferstationen". Die Banken müssten jetzt allen Hinweisen der amerikanischen Geheimdienste sorgfältig nachgehen. Das Vermögen der Bin-Laden-Terrororganisation al Quaida wird übrigens auf 300 Millionen Dollar geschätzt.

Eine äußerst fragwürdige Auslassung zur Krise nach dem Attentat leistet sich heute die "Welt". Im Titelkommentar und einem breit angelegten Artikel auf Seite Drei geißelt das Blatt den angeblichen Antiamerikanismus deutscher Intellektueller. Als Belege dienen aus dem Zusammenhang gerissene (und zum Teil schon widerrufene) Kommentare von Adrienne Goehler, Karlheinz Stockhausen, Roger Willemsen und Durs Grünbein. Das Solidarität heischende und zugleich drohende Fazit des Artikels: "Die deutschen Intellektuellen werden sich entscheiden müssen, wo sie stehen". Gleiches gilt allerdings auch für die "Welt": Entweder entscheidet sie sich für Meinungsfreiheit und fairen Journalismus oder für fragwürdige Kampagnen.

Schillerndes Hamburg

Woher kamen die Wähler, die in Hamburg dem Rechtspopulisten Schill fast 20 Prozent bescherten? Wie die "Frankfurter Rundschau" in einem Hintergrundartikel auf Seite 2 ausführt, wechselten jeweils knapp 40.000 Wähler der SPD, der CDU und der rechten Gruppierungen in das Lager des Amtsrichters. Hinzu kamen die Stimmen von 30.000 ehemaligen Nichtwählern. Der Prototyp des Schill-Anhängers ist dem Artikel zufolge männlich, über 45 Jahre alt und verfügt nur über eine einfache Schulbildung. Sein Zuhause sind die sozial schwachen Viertel wie Wilhelmsburg und Veddel. Dort ließ sich der blässliche Runde wohl nur selten blicken.