Aber wie kommen wir dann zurecht mit den fundamentalen moralischen und ethischen Konflikten, die sich aus der Notwendigkeit ergeben, sich dem Terrorismus zur Wehr zu setzen: Mit militärischen Mitteln, Krieg oder nicht, Pazifismus oder nicht? Einschränkung von Garantien der Freiheit, der Privatsphäre des Rechtsstaats – oder nicht? Schnell geraten wir da in Polarisierungen: Wer nicht für mich ist, ist wider mich… (Diese auswegslose Konfrontation ist übrigens eines der Ziele jedes Terrorismus!)

Die einfachste und falscheste Weise, diese Konflikte zu verhandeln ist der Rückzug auf die Formel: "Der Zweck heiligt die Mittel". Der Zweck – Weg mit dem Terrorismus? – ist gut, also auch jedes Mittel. So denkt keiner, wenigstens nicht offiziell. Eine nicht minder einfache, wenn auch auf den ersten Blick anständigere Art, mit solchen Konflikten umzugehen, ist die kategorische Festlegung darauf, dass bestimmte Mittel in gar keinem Fall gerechtfertigt sind. Solche ganz und gar unerlaubten Mittel sind gewiss denkbar, aber gilt dies auch für Behauptungen wie: "Keinesfalls militärische Mittel..."; "Keinesfalls eine Relativierung des Datenschutzes...."?

Mein Vorschlag zur Güte – oder doch wenigstens zur Begrenzung der Polarisierung in einer offenen, selbstkritischen Gesellschaft: Fragen wir uns doch erst einmal ganz nüchtern und präzise, ob bestimmte "angedachte" Mittel ihren unterstellten Zweck überhaupt erreichen können – und erst wenn das einigermaßen plausibel dargetan werden kann, stellt sich die Frage nach ihrer Erlaubtheit. Dann ist es noch immer nicht so, dass der Zweck die Mittel heiligt – aber die Zwecklosigkeit entwertet dann bereits das Mittel, lässt also schon viele Mittel als – mittel-los erscheinen.

Ich kann mich zum Beispiel nicht zu einem prinzipiellen Pazifismus entscheiden, auch nicht zum kategorischen Verzicht auf militärische Instrumente bei der (internationalen) Bekämpfung des internationalen Terrorismus. Aber bevor ich mir über einzelne Maßnahmen den Kopf der anderen zerbreche, würde ich gerne einmal exakt wissen: Was soll konkret mit welcher Aktion erreicht werden? Was sind ihre (erwünschten) Haupt-, was wären ihre (unerwünschten) Nebenwirkungen? Und werden am Ende nicht die Neben- die eigentlichen Hauptwirkungen sein?

Wenn wir uns so an die Entscheidungen herandenken, werden uns die wirklich herz- und geist-zerreissenden Konflikte der Moral und Ethik nicht erspart bleiben. Aber wir gingen dann sparsamer mit diesen Konflikten um – und wüssten etwas genauer, worüber wir wirklich und konkret reden.

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