Die Mordanschläge der Todeskommandos auf die Symbole Amerikas haben auch den internationalen Luftverkehr ins Mark getroffen und in dessen Zentrum zum Stillstand gebracht. Obwohl der US-Luftraum seit dem Wochenende wieder vollständig geöffnet ist, Lufthansa ihre in den USA gestrandeten Passagiere abholte und den Liniendienst über den Großen Teich wieder aufnehmen konnte: nie mehr wird es in der weltumspannenden Industrie so sein wie vor dem 11. September.

Aus Angst vor dem Fliegen stornieren Touristen in der ganzen Welt ihre Urlaubstrips, internationale Firmen haben ihren Mitarbeitern Flugverbot erteilt. Niemand kann kalkulieren, wie die Gegenschläge der Amerikaner die Reiselust der Menschen zusätzlich torpedieren werden. Festzustehen scheint nur, dass die vom Golfkrieg ausgelöste Weltluftfahrtkrise zu Beginn der neunziger Jahre nur ein vergleichsweise fader Vorgeschmack gewesen sein könnte auf das, was der Branche nun bevorsteht. Damals büßten die internationalen Fluggesellschaften 15,6 Milliarden Dollar ein - mehr, als sie alle zusammen seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs verdient hatten.

Diesmal könnte es noch schlimmer kommen. Wegen Konjunkturflaute und teurer Tarifabschlüsse befand sich die Branche ohnehin bereits im Tiefflug: Nun haben American, United, British Airways & Co. seit dem Tag des Terrors den Ausfall von mehr als 250 000 Flügen zu verkraften. Lufthansa hatte rund 100 Flüge über den Nordatlantik mit mehr als 55 000 Passagieren stornieren müssen. Bis zu zehn Milliarden Dollar, so schätzt die Weltluftfahrtorganisation IATA, hat der tagelange Komplettausfall des mit Abstand größten Luftverkehrsmarktes USA ausländische und US-Airlines schon jetzt gekostet. Und frühestens in zwei Jahren werde sich das Passagieraufkommen normalisieren.

Aufgrund des dramatischen Buchungsrückgangs strichen die großen US-Fluggesellschaften United, Northwest und Continental ihren Flugplan um 20 Prozent zusammen. Zudem will Continental jeden fünften ihrer 56 000 Mitarbeiter entlassen, um überhaupt überleben zu können. Mit 12,5 Milliarden Dollar müsse die Regierung der bedrohten Branche unter die Arme greifen, fordern US-Airline-Manager, sonst drohe allein in den USA der Verlust von weit mehr als 100 000 Jobs.

Erste Konsequenzen bei Lufthansa am Wochenanfang: Die im Sommer aufgenommene Hauptstadtverbindung Berlin-Washington wird mangels Nachfrage genauso eingestellt wie je eine Maschine von Frankfurt nach Washington und New York gestrichen. Über »eine weitere Anpassung der Kapazitäten« berät der Vorstand in der Frankfurter LH-Zentrale derzeit intensiv.

Weltweit arbeiten Airlines, Flughäfen und Regierungen mit Hochdruck an verbesserten Sicherheitskonzepten. Es gilt, eklatante Sicherheitslücken zu schließen und damit die Wahrscheinlichkeit, dass sich ein solches Trauma wiederholt, radikal zu reduzieren.

Insbesondere im Inlandsluftverkehr der USA hatte man sich längst von scharfen Kontrollen verabschiedet - zugunsten einer möglichst schnellen und reibungslosen Abfertigung der Passagiere. Für die Amerikaner war das Fliegen so selbstverständlich geworden wie das Autofahren. Allein mit den vier größten Fluglinien, American, United, Delta und Northwest, jetteten im Jahr 2000 über 600 Millionen Passagiere zwischen Ost- und Westküste, Chicago und Florida hin und her. Flugreservierungen per Telefon und Internet, ticketloses Reisen per Kreditkarte, Quick-Check-in in Hotels und am Flughafen sind zur Normalität nicht nur im amerikanischen Reisealltag geworden.