Saudi-Arabien, das Geburtsland von Osama bin Laden, gilt aller islamischen Tradition zum Trotz als dem Westen gegenüber aufgeschlossen. Seit Jahrzehnten pflegt das Königreich enge geschäftliche Kontakte in die Vereinigten Staaten. Kein Wunder: Saudi-Arabien ist der größte Erdölproduzent der Welt und Amerika der wichtigste Nachfrager. Wie innig diese Beziehung ist, zeige schon der Name des saudischen Fördermonopols Aramco, so Andreas Rieck vom Deutschen Orient-Institut in Hamburg. Die Arab American Oil Co wurde 1933 als Joint Venture der vier größten US-Ölgesellschaften gegründet und ging 1980 in saudischen Besitz über.

Auch innerhalb der mächtigen Organisation Erdölexportierender Länder (Opec) galt der Golfstaat als verlässlicher Partner der Westens: Das Land mit den größten Erdölreserven der Welt fungiert als swing producer: Je nach Nachfrage produzieren die Saudis mehr oder weniger Öl, um so Preisschwankungen abzufedern und den Markt zu stabilisieren.

Aus den Öleinnahmen konnte Saudi-Arabien einen Wohlfahrtsstaat aufbauen, in dem die Bürger jahrzehntelang keinen Riyal Steuern zahlten. Wirkliche Arbeit dürften die wenigsten Landeskinder kennen gelernt haben. Sie haben zwar Anspruch auf Ausbildung, häufig inklusive Auslandsstipendium, doch fürs Grobe waren immer die Einwanderer aus den Philippinen, Pakistan oder Jordanien zuständig.

Dieser ölgeschmierte Wohlfahrtsstaat gilt als stabilisierendes Element der Monarchie. Ebenso wichtig: die Religion. Das heutige Saudi-Arabien ist das Herzland des Islam, beherbergt mit Mekka und Medina die beiden wichtigsten Pilgerorte. Die saudischen Könige legitimieren sich als Hüter der heiligen Stätten und haben außerdem dafür zu sorgen, dass ihre Untertanen der Scharia, dem islamischen Recht, Ehrfurcht zollen. Die Mehrheit der Bevölkerung - auch das Königshaus - folgt dem Wahhabismus, einer strengen Richtung des Islam. Sie verbietet den Frauen des Landes, Autos zu steuern. Nur tief verschleiert dürfen sie sich aus dem Haus wagen.

In diesem Land der Gegensätze wuchs Osama bin Laden auf. Als Sohn eines ebenso reichen wie kinderreichen Bauunternehmers, soll er in seiner Jugend weltlichen Dingen durchaus zugeneigt, zeitweise gar ein vagabundierender Playboy gewesen sein. Später entwickelte er sich jedoch zum militanten Verfechter des Korans. Als in Afghanistan die islamischen Gotteskrieger gegen die russische Invasionsarmee fochten, kämpfte er auf der Seite der Taliban. In seiner Heimat wurde er zum Volkshelden. Kinder zogen mit Büchsen umher, sammelten Geld für seine Sache. Gegen die Spenden der Reichen im Lande wohl nur ein Symbol.

Der Reichtum Saudi-Arabiens ist legendär. Von den üppig sprudelnden Erdöl-Erlösen lebt das Königshaus, das Geschlecht der Saud mit bis zu 20 000 Familienmitgliedern. Auch Bauunternehmer und Händler erwarben während des Öl-Booms in den siebziger und achtziger Jahren beträchtliche Vermögen.