Die unschuldigen Zeiten sind endgültig vorbei

Aber das ist nicht der Fall. Es ist immer noch eine einzige Stadt, die sich immer wieder neu darum bemüht, das Leben normal und unsere Welt nicht für immer verändert erscheinen zu lassen. Aber wie kann alles normal sein, wenn, allein am heutigen Tage, 90 Bombendrohungen die Evakuierung von Gebäuden wie Empire State Building, Grand Central Station, Penn Station sowie der Flughäfen JFK und La Guardia veranlasst haben? Wie kann alles normal sein, wenn in den zusammengebrochenen Gebäuden immer neue Brände ausbrechen? Wie kann alles normal sein, wenn erwachsene Männer und Frauen plötzlich und ohne Vorwarnung auf der Straße in Tränen ausbrechen? Wie kann alles normal sein, wenn man die gerechtfertigte Angst auf den Gesichtern unschuldiger arabischer Amerikaner sieht, einschließlich der Männer, deren Auto angehalten und die von einer zunehmend angespannten Phalanx von Polizisten eindringlich befragt werden - bis sich herausstellt, dass der Fahrer und seine Passagiere iranische Ärzte sind, die zu ihrem Arbeitsplatz bei den Verwundeten in Lower Manhattan fahren?

Wie kann alles normal sein, wenn jede Nacht ein Gebetsgottesdienst oder eine Mahnwache in den Parks der Stadt stattfindet? Wie kann alles normal sein, wenn so viele unserer Highways, Brücken und Tunnel geschlossen bleiben, wenn alle Autos mit einem Film von weißem Staub bedeckt sind, wenn unsere Lungen wehtun, weil wir die verschmutzte Luft einatmen, und wenn man auf der Straße die verstörendsten Gesprächsfetzen aufschnappt: »Ich bin auf Leichen getreten ...«, »Ich sah nach oben und ...« Wie kann alles normal sein, wenn ich um die nächste Ecke biege und eine große Menschenmenge sehe, die Bill Clinton umringt, der fast ohne Sicherheitspersonal einfach die Straße hinuntergeht, den Menschen die Hand gibt, sanft mit ihnen spricht und ihnen zuhört, wenn sie vor sich hin weinen?

Wir können Restaurants und Cafés besuchen, Lebensmittel auf dem Markt kaufen, nach Hause kommen und Essen kochen, unsere Kinder küssen. Aber keiner von uns kann behaupten, es fühle sich genauso an wie in der Zeit vor dem elften September. Natürlich entspricht es der menschlichen Natur, unbedingt zu wollen, das Leben werde wieder genauso, wie es vor der Katastrophe war. Aber es ist zu befürchten, dass sich unser Begriff von Normalität endgültig verändert hat. Die unschuldigen Zeiten, die noch vor einigen Tagen herrschten, sind unwiederbringlich vorbei.