Die Dimensionen sind riesig: Vom Jahr 2007 an könnte vor Borkum der erste deutsche Offshorewindpark auf hoher See entstehen. Fast 200 Mühlen sollen auf 200 Quadratkilometern ins Meer gebaut werden. Die Anlagen werden so hoch sein wie der Kölner Dom, ihre Flügelspannen länger als ein Fußballfeld. Und ihre Leistung soll der eines Atomkraftwerks entsprechen. Bei der Windkraft geht der Trend weg von kleinen dezentralen Anlagen - hin zur Großtechnologie.

Unter den erneuerbaren Energien ist die Windkraft die Branche mit den größten prognostizierten Zuwachsraten. Schon in den vergangenen Jahren hat der Ausbau regelmäßig alle Erwartungen übertroffen. Noch vor gut zehn Jahren waren nur 56 Megawatt bundesweit installiert - heute sind es rund 6916; allein 1665 kamen im vergangenen Jahr hinzu. Mit seiner installierten Leistung liegt Deutschland weltweit vorn. Stolz weist der Bundesverband Windenergie darauf hin, dass die Branche auch gut 33 000 Arbeitskräfte beschäftigt - mehr als die Werftindustrie.

In Zukunft müssen allerdings neue Märkte erschlossen werden, wenn das Geschäft mit dem Wind weiter brummen soll: Die meisten windgünstigen Standorte an der Küste oder im Binnenland werden bereits genutzt; und kleine alte Anlagen lassen sich nur begrenzt durch leistungsfähigere moderne ersetzen, weil viele Windparks der ersten Stunde heute nicht mehr genehmigungsfähig wären. Deshalb will die Branche ihre Mühlen künftig ins Meer bauen, wo der Wind bis zu 40 Prozent stärker bläst als an guten Küstenstandorten. Nach Berechnungen von Greenpeace lässt sich allein durch Offshoreanlagen die Hälfte des bundesweiten Stroms erzeugen. Laut einer Studie der EU-Kommission könnte Europa theoretisch sogar seinen gesamten Energiebedarf aus Meereswind decken.

Auch die Bundesregierung setzt auf Wind: Sie will den Anteil erneuerbarer Energien bis zum Jahr 2010 verdoppeln, um klimaschädliches Kohlendioxid zu sparen. Bis zum Jahr 2030 könnten, wenn es gut läuft, sogar 25 000 Megawatt auf hoher See zur Verfügung stehen. Dafür müssten allerdings rund 2500 Quadratkilometer im Meer bebaut werden - ein Gebiet so groß wie das Saarland.

Stromanlagen auf hoher See

Die Rahmenbedingungen hat der Bundestag im vergangenen Jahr mit dem Erneuerbare Energien Gesetz geschaffen: Das Paragrafenwerk garantiert neun Jahre lang 17,8 Pfennig pro Kilowattstunde Windstrom, wenn eine Anlage bis Ende 2006 ans Netz geht; anschließend werden noch 12,1 Pfennig vergütet. Das ist in jedem Fall mehr, als der freie Markt zahlt.

Allerdings ist die Offshoretechnik auf hoher See ein weltweites Novum. Noch ist ungewiss, wie die technischen Schwierigkeiten bewältigt werden können: Mächtige Fundamente müssen im Meeresgrund verankert werden, damit die Anlagen bei Sturm und meterhohen Wellen nicht kippen. Kabel sind zu verlegen und Netzkapazitäten auszubauen. Getriebe und Elektronik brauchen Schutz vor aggressivem Meerwasser. Damit die Windräder ökonomisch rentabel werden, sollten sie in der 5-Megawatt-Klasse liegen - die derzeit noch in der Entwicklung ist. Für die Wartung muss eine völlig neue Infrastruktur aufgebaut werden: Die Serviceteams müssen auf Plattformen übernachten können und womöglich mit Hubschraubern bei den Anlagen abgesetzt werden.