die zeit: Kommissar Byrne, Sie werden in den nächsten Wochen in der Europäischen Union für die Biotechnologie werben. Zugleich wächst aber das Misstrauen vieler Bürger in Novel Food und andere Bio-Tech-Neuerungen. Wie wollen Sie die Menschen überzeugen?

David Byrne: Sie legen den Finger auf den wunden Punkt der Debatte. Wo es um gentechnisch veränderte Lebensmittel ging, litt sie unter der Art, wie die Industrie, besonders die amerikanische, diese Technologie auf den Markt warf.

Diese Firmen richteten ihre Strategie ganz auf die Farmer aus und vergaßen völlig, dass die Farmer ihre Produkte danach auch verkaufen müssen. Die Konsumenten waren sauer, dass diese dramatische Veränderung an ihnen vorbeigelaufen war, ohne Konsultation, wie sich das in einer modernen Zivilgesellschaft gehört. Sie fragten zu Recht: Wo liegt da der Nutzen für mich? Und ein Nutzen war tatsächlich nicht ohne weiteres zu erkennen, vielleicht für den Farmer, beileibe nicht für den Verbraucher.

zeit: Wie weit reicht Ihr Verständnis für Kritiker? Was halten Sie von den Aktivisten um José Bové, die Versuchsfelder in Frankreich zerstörten?

Byrne: Ich verurteile so etwas. Wir brauchen diese Forschung, wenn wir unsere Gesetzgebung zur Sicherheit des Verbrauchers verbessern wollen. Das ist kontraproduktiv.

zeit: Es geht in diesem Streit nicht mehr nur um Forschung. In den vergangenen fünf Jahren wuchs die Fläche mit genmodifizierten Nutzpflanzen weltweit von knapp 2 Millionen Hektar auf über 48 Millionen, meist außerhalb Europas. Und diese Technik liegt in der Hand weniger Firmen. Das Oligopol ist dem Experimentalstadium längst entwachsen. Nicht nur Verbraucher, auch Europas Politiker fühlen sich überrollt.

Byrne: Richtig, und darum kann es für uns als Politiker nur heißen: Das muss sauber geregelt und streng kontrolliert werden. Umwelt, öffentliche Gesundheit, Verbraucher, das alles will geschützt sein. Unser Juli-Richtlinienvorschlag über Etikettierung und Rückverfolgung von Gen-Food und erstmals von Gen-Futter knüpft hier an. Ausgangspunkt ist: Es gibt keinen wissenschaftlichen Nachweis, dass genmodifizierte Lebensmittel gefährlicher sind als normale Nahrung. Aber ein vereinzelter Vorfall könnte auf Toxizität oder allergene Wirkung hinweisen. Also muss jeder Einzelfall vor der Zulassung rigoros geprüft werden. Diese erfolgt immer nur für zehn Jahre.