Washington Da sitzt er im Blitzlichtgewitter am Tisch des holzgetäfelten Konferenzraumes in Camp David. Den Kragen der Bomberjacke hochgeschlagen, rechts neben sich Dick Cheney, links Colin Powell. Manch einer der Fotografen wird sich an eine ähnliche Szene erinnern: Genau vor elf Jahren, eine Woche nach der Invasion des Irak in Kuwait, hatte an demselben Tisch Bush senior gesessen, Cheney rechts neben sich, Powell links.

Vor wenigen Tagen noch machte sich Amerika über George W. Bush und sein Kabinett der alten Männer lustig. Vizepräsident Cheney und Außenminister Powell sind nicht die Einzigen, die schon dem Vater und sogar dessen Vorgängern dienten. Verteidigungsminister Rumsfeld, der dritte der "großen Drei" hinter dem Präsidenten, war schon Kabinettsmitglied bei Richard Nixon.

Auch die mächtigste Frau am Tisch, Condoleezza Rice, machte bei Bush senior Karriere. Jetzt sind die kritischen Töne verhallt. Inzwischen schöpft die Nation Vertrauen aus der Tatsache, dass die Regierung von Männern geführt wird, die das Geschäft kennen, die Kriege erlebt haben. Sieben von zehn Amerikanern halten den Präsidenten für einen starken Chef und unterstützen seine Auswahl an Beratern. Anerkennung, wie sehr die großen Drei mit Dame klare Köpfe bewahrt haben.

Am Tag des Infernos hielt Dick Cheney die Fäden in der Hand. Er zog in den Bunker des Weißen Hauses und arrangierte das reibungslose Anlaufen der politischen und militärischen Apparate. Er versammelte das Sicherheitsteam, ließ den Kongress evakuieren und hielt Kontakt mit dem Verteidigungsministerium. Cheney war es, der Bush riet, die gekidnappten Passagierflugzeuge, die in Richtung Hauptstadt flogen, zum Abschuss freizugeben.

Nicht nur rohe Gewalt Ähnlich kühl verhielt sich Donald Rumsfeld. Nachdem er geholfen hatte, Verletzte aus dem brennenden Gebäudeteil zu bergen, verließ er das Pentagon nicht mehr. Außenminister Powell brach sofort seine Peru-Reise ab. Seither konferiert die Mannschaft nicht nur täglich, sie kooperiert auch virtuos.

Rumsfeld rüstet (nicht nur) verbal auf. Powell pflegt mit wohl gewählten Worten die Beziehungen zu den echten und den potenziellen Freunden. Cheney und Rice koordinieren. Jeder verstärkt auf seine Weise Bushs Warnung: Amerika wird Terrorakte nicht ungesühnt lassen, Amerika rüstet für den Krieg.

Noch am Tag davor war der Riss in Bushs außen- und sicherheitspolitischem Team unübersehbar. Die alten kalten Krieger Cheney und Rumsfeld und ihre junge Verbündete Rice hatten den Multilateralisten Powell isoliert. Ihre harte Linie - "America first" - schien zur Maxime der Außenpolitik zu werden.