In Krisenzeiten offenbart sich der andere Tony Blair: entschlussfreudig, zu klaren Worten und Risiken bereit. Während Bush noch mit sich rang, prägte der Premier die Formel, die für eine weltweite Allianz gegen den neuen Feind unerlässlich ist: Der "Krieg gegen die zivilisierte Welt" verlange nach harter, entschlossener Antwort. Nun spielt er die wichtigste Nebenrolle in der westlichen Allianz: den "Kontinentaleuropäern das Rückgrat stärken" - wie es ironisch in der Umgebung des Premiers heißt.

Das Athen zu Amerikas Rom sein, so definierte Harold Macmillan einst die Rolle seines Landes. Auf das aktuelle special relationship übertragen, heißt das: Großbritannien erwartet nun als Gegenleistung für seine absolute Loyalität ein gewisses Maß an Konsultation.

Blair also doch ein Falke? In Wahrheit teilt er die Sorgen, die in Berlin und Paris aufkamen. Auf keinen Fall, so heißt es in London, dürfe sich der Westen zu barbarischen Handlungen hinreißen lassen. "Es hat keinen Sinn, Sand zu bombardieren", soll Bush nach den Warnungen des Premiers vor "sinnlosen" Bombardements eingesehen haben. Der Brite drängte von Beginn an auf klar definierte Ziele, auf eine militärisch wie politisch durchdachte Operation, zu der auch die öffentliche Darlegung der Beweise gegen die Drahtzieher des Terrors gehört. Nun lobt Blair den verwundeten Giganten für die "weise Zurückhaltung". Ein Indiz dafür, dass es ihm gelungen ist, die Amerikaner davon abzuhalten, aus der Hüfte zu schießen. Aber schießen werden sie, und die Briten werden an ihrer Seite stehen. Jürgen Krönig