Aloys Wobben ist so etwas wie der Bill Gates von Ostfriesland: ein genialer Techniker, der es versteht, Geschäfte zu machen

der unumschränkte Herrscher eines Windmühlenimperiums, das er stetig vergrößert. Egal welchen Branchenkenner man über den 49-Jährigen befragt, man bekommt immer dasselbe zu hören: Ohne Wobben wäre die Windkraft heute nicht so weit, wie sie ist. Im vergangenen Jahr verlieh ihm deshalb die Deutsche Umweltstiftung Europas höchstdotierten Umweltpreis, gemeinsam mit einem Umweltmediziner.

Der gelernte Elektroingenieur machte sich 1984 selbstständig, mit einer Teilzeitsekretärin als einziger Angestellten. Seine ersten Anlagen baute er unter bescheidenen Umständen, wie es sich für diese Art von Erfolgsgeschichten gehört: in einem 50 Quadratmeter großen ehemaligen Möbellager. Heute ist Wobbens Firma Enercon deutscher Marktführer bei Windkraftanlagen, besitzt Zweigwerke in mehreren Ländern der Welt und beschäftigt rund 3600 Angestellte. Die ostfriesischen Taxifahrer verdienen sich an Wobben eine goldene Nase, weil sie regelmäßig Bewerber für neue Arbeitsplätze vom nächstgelegenen Bahnhof zum Enercon-Stammwerk in Aurich kutschieren - Kosten für die einfache Fahrt: knapp 100 Mark.

Wobben ist der Trendsetter der Windbranche. "Er geht Probleme konsequent an und löst sie der Reihe nach", sagt Jens Peter Molly, Leiter des Deutschen Windenergie-Instituts. Wobbens Anlagen besaßen von Anfang an variable, an die Windgeschwindigkeit angepasste Rotordrehzahlen. Er entwickelte ein flexibles Netzeinspeisesystem, das die Leistung von Windkraftanlagen mit dem Bedarf des Elektrizitätsnetzes in Einklang bringt. Er feilte beständig an der Rotorblattkonstruktion, um den idealen Anstellwinkel zu finden und die Geräuschentwicklung so gering wie möglich zu halten. Wobbens wohl wichtigste Erfindung sind die getriebelosen Systeme, die bis heute nur Enercon produziert.

Einen Rückschlag hat das Unternehmen noch nicht erlebt, obwohl Wobben viel riskierte, als er seine Produktion 1992 auf die getriebelosen Anlagen umstellte. Er hatte den Getriebeverschleiß als beschränkenden Faktor für die Gesamtlebensdauer seiner Windkraftanlagen identifiziert. "Was wollen Sie da machen? Das Risiko ist das kleinere Übel." Mittlerweile haben sich die getriebelosen Systeme bewährt - und andere Hersteller plagen sich zunehmend mit Getriebeschäden an ihren in die Jahre gekommenen Anlagen.

Wobben vertraut fest auf seine Analysen und die Mathematik. Deshalb konnte ihn die Growian-Pleite in den Anfangsjahren der Windkraftentwicklung nicht irritieren. "Das waren technische Fehler, die man ohne Brille sehen konnte."

Als Windlobbyist ist er für seine Streitlust bekannt. Mitte der neunziger Jahre verhandelten Vertreter aus Ministerien, Energiewirtschaft, Forschungsinstituten sowie Hersteller über die Rahmenbedingungen für den Windkraftausbau. Eine hoch gestellte Persönlichkeit stellte ein Papier vor, das nach Wobbens Einschätzung "gelogen" war. Da hat er es einfach zerrissen.