Pakistans Militärregierung steckt in riesengroßen Schwierigkeiten.

Arbeitet sie wirklich mit Washington zusammen, droht eine Revolte im eigenen Land. Beugt sie sich dagegen dem Druck islamischer Parteien und verweigert sich den Wünschen der Vereinigten Staaten, so wird Amerika vielleicht Pakistan auf die schwarze Liste setzen: auf jene Liste "Terrorismus unterstützender Staaten", auf der auch Afghanistan zu finden ist.

Auch das hätte fatale Folgen: Die Militärs könnten ihr ehrgeiziges Reformprogramm, das sie seit Oktober 1999 in enger Zusammenarbeit mit der Weltbankgruppe zielstrebig verfolgen, sofort beenden, denn alle internationalen Kredite würden gestrichen. Auch verlöre die Armee den Ruf, die letzte noch verbliebene Kraft zu sein, die ein wenig Ordnung in das Chaos der zivilen Politiker bringt und sich aus übergeordnetem nationalem Interesse aus dem ideologischen Streit heraushält. Geriete Pakistan auf Amerikas schwarze Liste, würden sich viele islamische Gruppen endgültig radikalisieren. Eine vom Bann getroffene Militärregierung könnte die Islamisten nicht mehr in Schach halten.

Diese Risiken sind dem General und Staatschef Pervez Musharraf bewusst, deshalb hat er Washington seine Kooperation angeboten. Ob ihm der schwierige pakistanische Drahtseilakt gelingen wird, bleibt ungewiss. Fieberhaft versucht Musharraf, ein nationales Bündnis für seine Politik gegenüber den afghanischen Taliban zu schmieden. Das zeigen seine vielen Treffen mit Vertretern der Parteien, mit islamischen Geistlichen und Journalisten.

Die Angst vor Indien eint Der Militärregierung hilft, dass die pakistanische Gesellschaft aus vielen unterschiedlichen Gruppen und Interessen besteht - und in ihrer Mehrheit nicht einem radikalen Islam anhängt. Auch wenn es schwer fällt, von einer nationalen pakistanischen Identität zu sprechen, so halten doch mehrere Dinge das Land zusammen. Anders als 1971 - damals spaltete sich Bangladesch ab - ist die staatliche Einheit nicht mehr gefährdet. Trotz regionaler Spannungen gibt es heute keine ernsthafte separatistische Bewegung. Auch betreibt kein ausländischer Staat, nicht einmal Indien, aktiv den Zerfall Pakistans.

Urdu hat sich als Staatssprache durchgesetzt, und die Angst vor dem übermächtigen Nachbarn Indien wie das nationale Anliegen, Kaschmir zurückzugewinnen, einen die Pakistanis. Zudem sind sie alle stolz darauf, eine Atommacht zu sein, eine, die in der Lage ist, Indien die Stirn zu bieten.

Auch die Staatsreligion Islam verbindet. Allerdings nur so lange, wie die für Pakistan typische religiöse Vielfalt gewährleistet bleibt und alle Glaubensrichtungen uneingeschränkt praktiziert werden dürfen. Sobald sich eine religiöse Autorität oder eine islamistische Gruppe anmaßt, ihre Interpretation des Islam dem gesamten Staat aufzuzwingen, läuft das Land Gefahr, im Religionsstreit auseinander zu fallen.