Wie ein Überbleibsel aus verblasster Zeit lehnt das veilchenblaue Rad an der Backsteinmauer des Bornholmer Keramikmuseums. Es war schon mit von der Partie, als Marianne Stark, die studierte Grafikerin, 1955 aus der Wilstermarsch auf die dänische Insel auswanderte und den Job ihres Lebens antrat. Mit einem Fahrrad von Miele kommt man immer zum Ziele, findet Frau Stark. Sie besteht darauf: In der Inselhauptstadt Rónne hat sie das letzte Paradies entdeckt.

Dort machte sie auch ihr berufliches Glück. 38 Jahre lang trieb sie in einer von damals 24 Keramikfabriken die Drehscheibe an. Durch die Herstellung von Steinzeug und sonnengelber Bornholmer Fayence trug sie bei zum Ruhm der dänischen Keramikmetropole - bis ihr Bubikopf schneeweiß wie ein Strohdach im Inselwinter wurde und die Hände rot und deformiert vom permanenten Kneten des feuchten Tons.

Als die Öfen ausgingen

Hier bin ich ein altes Weib geworden, sagt die Künstlerin betont cool. Doch ihre Stimme stockt, wenn sie davon erzählt, wie sie und viele ihrer Kollegen gegen Ende der achtziger Jahre zum Auslaufmodell wurden. Die boomende Branche machte schlapp. Der Durchschnittstourist liebäugelte zwar noch immer mit tönernen Kreationen, doch gern auch mit Glas und Stoff und Aquarellen. Und das Gewerbe, das schon im Mittelalter die gesamte Ostseeregion mit Pötten und Kruken versorgte, schrumpfte wie ein Bückling im Rauchfang. Viele Brennöfen gingen aus.

Damals sorgten sich auch die Erbinnen des Keramikfabrikanten Lauritz Hjorth um das Überleben ihres Familienbetriebes. Seit 1859 florierte das Unternehmen in Rónnes stiller Seitenstraße Krystalgade. Fast schien es, als hätte hier Keramos seine Hand im Spiel - jener Glücksbringer, der laut Legende von Gott den Auftrag bekam: Forme deine Träume mit deinen Händen. Doch die Glut, die der Geist des Keramos jahrzehntelang in den Öfen des alten Herrn Hjorth geschürt hatte, erlosch.

Ulla und Marie, den Urenkelinnen des Firmengründers, drohte die Pleite.

Mithilfe öffentlicher Gelder gelang es ihnen aber vor ein paar Jahren, das historische Gebäude als Museum umzugestalten. In gläsernen Vitrinen werden nun Amphoren, Schalen und Apothekerkrüge aus drei Jahrhunderten ausgestellt.