die zeit: Währungsfonds und Weltbank haben beschlossen, ihre Tagung in Washington abzusagen. Kann Gleiches auch der geplanten Konferenz der Welthandelsorganisation (WTO) in Katar passieren?

Pascal Lamy: Wir bereiten uns weiter auf Katar vor. Unter politischen Gesichtspunkten gesehen, sollte es bei dem Treffen bleiben. Wenn sich die Mehrheit der WTO-Mitglieder versammelt, um über neue Regeln für den Welthandel zu beraten, ist das genau das Signal, das wir in dieser Zeit brauchen.

zeit: Wenn es zu einer Eskalation kommt, läge Katar in einer gefährdeten Region.

Lamy: Über die Frage der Sicherheit müssen die Organisatoren entscheiden - also die WTO und die Regierung in Katar. Derzeit gibt es keine Anzeichen dafür, dass das Treffen an einem anderen Ort stattfinden muss.

zeit: Ist es in einer Situation wie dieser überhaupt möglich, über eine weitere Liberalisierung des Welthandels zu reden?

Lamy: Die unterschiedlichen Standpunkte haben sich bereits angenähert - weil alle Beteiligten wissen, dass wir das multilaterale Handelssystem schützen müssen. Das gilt nach der Terrorattacke mehr als vorher. Diese war ein zusätzlicher Schock für die ohnehin schon schwache Weltwirtschaft. Gute Nachrichten werden gebraucht. Außerdem dreht sich die neue Welthandelsrunde nicht nur um eine weitere Liberalisierung, sondern auch um neue Regeln. Als Teil eines internationalen Regimes sind sie jetzt notwendiger denn je.

zeit: Könnten die USA ihr Interesse an multilateralen Lösungen verlieren?