die zeit: Vor sechzig Jahren traf sich Ihr Vater mitten im Krieg mit Niels Bohr zu einem geheimnisvollen Gespräch unter vier Augen. Bis heute wird über dessen Inhalt und Heisenbergs Motive gerätselt (siehe Kasten). Manche halten Ihren Vater für einen Widerständler, andere für einen Nazikollaborateur

für einen Mitläufer, der einen "halbjüdischen" Freund um Absolution bittet - oder ihm zur Hilfe eilt ...

Martin Heisenberg: Ich kann dieses Herumrätseln nicht verstehen - aber vielleicht liegt das daran, dass man als Sohn den Vater näher kennt als andere.

zeit: Was hat er im Familienkreis erzählt?

Heisenberg: Dass er und Carl Friedrich von Weizsäcker zunächst um Bohr, ihren großen Physiker-Vater, besorgt waren. Sie wollten ihm signalisieren, dass er in der deutschen Botschaft Unterstützung finden könne. Und dann beabsichtigten sie natürlich, mit Bohr das Problem der Atombombe zu diskutieren. Nicht die Frage: Dürfen wir für Hitler die Bombe bauen? Sondern: Darf sie überhaupt gebaut werden? Könnten die Physiker nicht untereinander vereinbaren, die Atombombe nicht zu bauen?

zeit: Wie schätzte Ihr Vater den Stand der Forschung zu diesem Zeitpunkt ein?

Heisenberg: Er wollte für Hitler keine Bombe bauen. Er hatte sich überzeugt, dass sie zwar im Prinzip, nicht aber unter Kriegsbedingungen in Deutschland konstruiert werden konnte. Er wollte sicher auch sein Möglichstes tun, zu verhindern, dass die andere Seite sich daranmachte.