Wo könnte es normaler sein als mittags bei Joe Junior's, einem beliebten Restaurant an der Ecke West 12th Street und Sixth Avenue in Greenwich Village? Wie immer ist jeder Tisch besetzt. Hinter der Theke arbeiten die Köche auch heute mit Schwindel erregender Geschwindigkeit. Sie werfen Cheeseburger auf den Rost und machen Frühstück für Künstler, Studenten und andere Menschen aus der Nachbarschaft, die offensichtlich gerade erst aus dem Bett gekommen sind. Wie immer bildet sich eine lange Schlange, in der die Hungrigen mit kaum verhüllter Ungeduld darauf warten, einen Tisch zu bekommen.

Durch die großen Straßenfenster zeigt sich ein wunderschöner - und völlig normaler - Herbsttag. Die Sixth Avenue ist dicht bevölkert mit New Yorkern, die auf Rollerskates unterwegs sind, ihre Hunde ausführen, Kinderwagen schieben, Lebensmittel einkaufen oder ihre Kleidung in die Reinigung bringen.

Nur nach und nach bemerkt man die eindeutigen Hinweise darauf, dass die Situation keineswegs normal ist in dieser Stadt, die verzweifelt versucht, sich von ihrer Trauer und ihrem Schock zu erholen. Der Schein trügt: Zwei Tage nachdem die Leute aus ihren Häusern in dieselben Straßen strömten und mit Blick nach Süden die Zwillingstürme in sich zusammenstürzen sahen, ist nichts normal.

In vieler Hinsicht scheint die Stadt erstaunlich gut zu funktionieren. Die Stimmung ist fast unnatürlich ruhig. Es gibt keine Panik, keine Hysterie.

Stattdessen herrscht allgemein der Eindruck, dass die städtischen Behörden ihre Aufgabe hervorragend meistern: in der Art, wie sie Ruhe und Ordnung herstellen und die Arbeit in dem Katastrophengebiet organisieren. Sogar wer bis zu jenem Dienstag Bürgermeister Giulianis Politik extrem kritisch gegenüberstand, war tief berührt von seiner Besonnenheit, seiner Menschlichkeit und seiner Fähigkeit, die Ressourcen und Energien der Stadt so einzusetzen, dass Ordnung entstand, wo sonst nur Chaos geherrscht hätte.

Stück für Stück zeigen sich die Einzelheiten des Unnormalen

Auch wenn die Dinge durchaus normal erscheinen, ist es - zumindest hier in Downtown - unmöglich, zu leugnen, dass wir uns in einer Krise befinden. Und so wird es noch lange bleiben.