Unser Grab erwärmt der Ruhm.

Torenworte! Narrentum!

Eine beßre Wärme gibt Eine Kuhmagd, die verliebt Uns mit dicken Lippen küßt Und beträchtlich riecht nach Mist.

Gleichfalls eine beßre Wärme Wärmt dem Menschen die Gedärme, Wenn er Glühwein trinkt und Punsch Oder Grog nach Herzenswunsch In den niedrigsten Spelunken, Unter Dieben und Halunken, Die dem Galgen sind entlaufen, Aber leben, atmen, schnaufen, Und beneidenswerter sind als der Thetis großes Kind - Der Pelide sprach mit Recht: "Leben wie der ärmste Knecht In der Oberwelt ist besser, Als am stygischen Gewässer Schattenführer sein, ein Heros, Den besungen selbst Homeros."

So heult ein Einsamer, dem noch der Gedanke an die Kuhmagd Wärme in den Leib schießt. Doch schon lässt er, der gern vom Volk und dessen Kraft träumt, das Mädchen links liegen und träumt sich, wir sind tief im 18. Jahrhundert, in den Himmel der Bildung, wo die Heiligen der Antike (vermeintlich) Trost spenden können. Nachtgedanken eines todkranken Emigranten, der sich nach einer letzten Liebkosung sehnt.

Auflösung aus Nr. 38: J. W. von Goethe "Torquato Tasso"