Erinnern wir uns an den Kniefall Willy Brandts 1970 in Warschau und schon vorher, 1965, an das aufsehenerregende Wort der polnischen Bischöfe "Wir vergeben und bitten um Vergebung" - beides Gesten von einschneidender, wegbereitender Bedeutung für die künftige positive Annäherung und Freundschaft zwischen Polen und Deutschland, Vergebungsgesten und -bitten, aber ausgesprochen nicht von persönlich schuldig gewordenen Tätern, sondern von Vertretern eines Staates, einer Organisation, die mit dieser Geste die veränderte Haltung des Gemeinwesens mit Erfolg demonstriert haben - Die Nachfolgegeneration ist nicht für Taten verantwortlich, die sie nicht getan hat, verantwortlich aber wohl für die Haltung zu diesen Taten und aus dieser Haltung heraus sehr wohl berechtigt, sich im Namen des Gemeinwesens zu entschuldigen.

Ob Wiedergutmachung immer mit materiellen Forderungen der Opfer eingefordert werden sollte, ist eine andere Frage - Wiedergutmachung kann auch im Eintreten für die Menschenrechte, in der Aufnahme Verfolgter, im würdigen und respektvollen Umgang miteinander sowie in regem kulturellen Austausch erfolgen.

Außenminister Joschka Fischer jedenfalls war bei der Antirassismuskonferenz in Durban ein würdiger Vetreter der Bundesrepublik Deutschland - Repräsentant eines Landes, das im Gegensatz zu manch anderen dort vertretenen Staaten dabei ist, seine Lektion aus der Geschichte sehr wohl zu lernen, beziehungsweise die gewonnenen Erkenntnisse dann auch in die Tat umzusetzen.

Ingrid Jentzsch, Leinburg