Die Nachricht kam per E-Mail. Schon eine Stunde nach den Abstürzen in New York, Washington und Pittsburgh informierte am 11. September ein kurzes Rundschreiben die Abonnenten eines digitalen Newsletter. Absender war Todd Curtis. Weitere Informationen werden auf den Internet-Seiten von AirSafe.com veröffentlicht. Diese Webpage gibt Auskunft zum Thema Sicherheit im Luftverkehr. Der ehemalige Offizier der Air Force und Sicherheitsexperte beim Flugzeugbauer Boeing ging mit seiner Homepage ausgerechnet zwei Wochen vor der Explosion des TWA-Jumbos im Sommer 1996 online. Seitdem suchen Luftfahrtspezialisten, Journalisten und Passagiere, die Angst vor dem Fliegen haben, seine Seiten im Netz regelmäßig auf.

Curtis, Autor des Buches Understanding Aviation Safety Data, versteht die von ihm zusammengestellten Fakten rasch zu interpretieren. Welches Langstreckenflugzeug ist sicherer, eine Boeing 747 oder ein Airbus A340? Nach Flugzeugtyp oder Fluglinie sortiert, lassen sich Unfallstatistiken abrufen.

Er informiert über ein Selbsthilfeprogramm für angstfreies Fliegen, außerdem problematisiert er unter der Überschrift Advice die Auswirkungen des Alkohols in 11 000 Meter Höhe und die Zunahme von Zwischenfällen mit gewalttätigen Passagieren. Jungen Eltern verrät er Tipps, wenn sie zum ersten Mal ein Flugreise mit Baby planen. Curtis hat noch eine weitere Seite ins Netz gestellt: www.birdstrike.org widmet sich dem plötzlichen Zusammenprall von Vögeln und Flugzeugen.

Seit 1996 gibt es die Website des Aviation Safety Network (www.

aviation-safety.net). Direkt von der Homepage führt ein Link auf eine interaktive Weltkarte. Rote und blaue Punkte markieren die Absturzorte eines Jahres. Gleitet der Mauszeiger über einen Farbtupfer, erscheinen Ort, Datum, Airline und Flugzeugtyp. Interessant ist die grafische Aufbereitung des statistischen Materials. Zunächst fällt die gleichmäßige Verteilung auf alle fünf Kontinente auf, doch in Relation zu den tatsächlichen Starts und Landungen pro Erdteil verschiebt sich das Ergebnis: 42 Prozent aller Unfälle ereignen sich in Nordamerika, nur drei Prozent in Afrika.

Zur Sache geht es im Forum, einem virtuellen Schwarzen Brett. Im Augenblick wird besonders über präventive Maßnahmen debattiert: Sollen die Türen zur Pilotenkabine verstärkt werden? Soll als Dritter im Cockpit ein Sicherheitsmann als Wachschutz über den Wolken mitfliegen?

Aufschlussreich ist die Tabelle mit Airlines, die ihren Betrieb wegen eklatanter Sicherheitsmängel vorübergehend einstellen oder aufgrund schlampiger Wartungsarbeiten hohe Geldstrafen zahlen mussten. Eine weitere Liste zeigt die vermeintlich sicheren Sitzreihen. Sind die Überlebenschancen bei einer Bruchlandung auf den billigen Plätzen im Heck einer Maschine wirklich größer? Aber muss man auch die letzten Sekunden aus dem Cockpit einer Unglücksmaschine als akustische Kostprobe anhören?