Jud Süß - Ein Film als Verbrechen, Freitag, Arte, 22.15 Uhr Über den Regisseur des antisemitischen Spielfilms Jud Süß, Veit Harlan, saß man nach 1945 zu Gericht. Bis heute darf der Film einer breiten Öffentlichkeit - etwa im Fernsehen - nicht gezeigt werden. So interessant die übergeordnete Frage nach der Rolle des Künstlers in der Diktatur auch ist - die historischen und prozessualen Details, die Horst Königstein und sein Koautor Joachim Lang hier ausbreiten, sind es nicht immer. Zusammen mit Heinrich Breloer (Todesspiel) gilt Königstein in Deutschland als Erfinder des Dokudramas. Der mitunter kuriosen Mischform aus Spielszenen (Hauptrolle: Axel Milberg), Interviews und dokumentarischem Material bedient er sich auch hier.

Bürgerschaftswahl in Hamburg, Sonntag 17.45 Uhr, u. a. ARD, ZDF, N3 Zu schön, um rechts zu sein, steht auf dem Michel-Plakat, mit dem eine Künstlerinitiative gegen den Hamburg-Haider Ronald Schill protestiert.

Seltsames Argument. Und die hässlichen Städte? Mit Richter Gnadenlos, wie Schill im Volksmund heißt, würde der Spitzenkandidat der CDU, Ole van Beust, sogar paktieren. Es wird wohl spannend. Also strapazieren wir ab sechs die Fernbedienung und warten nicht auf die Berliner Runde (19.30 Uhr). Wer hat die ersten harten Zahlen, wer steht mit der Prognose dümmer da? Welcher Journalist fällt welchem Kollegen besonders grob ins Wort, weil ein Provinzpolitiker erscheint, der nichts zu sagen, heute aber seinen großen Abend hat?

Damals ... auf der Wies'n. Das Oktoberfest der 20er Jahre, Sonntag, BR, 21 Uhr Ein putziger Vorläufer des Autoskooters ist hier ebenso zu bewundern wie so manch anderes erstaunlich moderne Fahrgeschäft. Sybille Krafft hat historische und zum Teil noch unveröffentlichte Filmaufnahmen vom Oktoberfest der zwanziger Jahre ausgegraben. So bleibt der Streifen sehenswert, auch wenn er ein bisschen bajuwarischbetulich betextet ist. Schon damals war die Wies'n mit 300 000 Besuchern pro Jahr Europas größtes Volksfest - heute zählt man mehr als sechs Millionen. War die Maß 1925 noch für eine Mark zu haben, musste man in der Inflation 21 Millionen für das große Glas berappen. Im Zweiten Weltkrieg war dann Schluss mit lustig. Das Volksvergnügen fiel aus.

1900 Haus: Leben wie ein Victorianer, Sonntag, Arte, 23.30 Uhr Hier guckt die ARD ab. Im Schwarzwald durchlebt zurzeit Familie Boro aus Berlin, was die englische Familie Bowler längst hinter sich hat. Die Boros bewohnen ein Haus, das auf den Stand von vor 100 Jahren zurückgebaut wurde.

Modern sind nur die Kameras, die das öffentlichrechtliche Big Brother filmen. Wie die Berliner ohne WC und Waschmaschine ausgekommen sind, zeigt schwarzwaldhaus1902.de nächsten Herbst. Die Klagen von Mrs Bowler über ihr Korsett zeigte Channel 4 dagegen schon 1999 Arte liefert heute einen Überblick über das Leben im 1900 House. Die Nachfolgesendung hieß 1940s House - Verdunkelung und Rationierung inklusive. Kein Witz!

Die Mutter meines Mannes Dienstag, Sat.1, 20.15 Uhr Die böse Schwiegermutter liest hier DIE ZEIT! Was, bitte, will uns Sat.1 damit sagen? Schließlich mögen auch wir Schwiegertochter Franziska viel lieber als die intrigante alte Schachtel mit dem Übermutterkomplex (Doris Kunstmann). Doch ach, leider kommt nicht sie, sondern die überforderte Franzi (Yvonne Johna) nach der Geburt des Söhnchens in die Klapse: postnatale Depression? Dann allerdings belegt Ute Wielands Film, was zu befürchten war.