Der Mythos: Hoch begabte Kinder sind schwierig und darum einsam und unglücklich. Im Unterricht stören sie, weil sie sich langweilen, und bei ihren Altersgenossen sind sie unbeliebt. Als vermeintliche "Streber" werden sie ausgegrenzt oder nicht selten auch gequält und verprügelt.

Die Wirklichkeit: Gerade hoch begabte Kinder, zu denen man die besten zwei Prozent eines Jahrgangs zählt (was ungefähr einem IQ von 130 entspricht), sind besonders pflegeleicht. Dies belegt zumindest eine Untersuchung des Marburger Entwicklungspsychologen Detlef Rost. Danach sind solche Kinder warmherziger, emotional stabiler, ruhiger und fröhlicher als Schüler mittlerer und unterer Intelligenz. Schon ältere Untersuchungen, wie etwa die von L. A. Terman an der kalifornischen Stanford University, haben ergeben, dass Hochbegabte sowohl in körperlicher wie in sozialer und emotionaler Hinsicht ihren gleichaltrigen "nur" normal begabten Schul- und Spielkameraden überlegen sind.

Warum sich der Mythos von der Andersartigkeit der Hochbegabten so hartnäckig hält, erklärt Detlef Rost damit, dass es unter Problemkindern, den so genannten underachievern, die sowohl von Eltern als auch von Lehrern als besonders schwierig empfunden werden, auch Hochbegabte gibt. Sie fallen durch schlechte Schulleistung genauso auf wie durch eine negative Entwicklung des Sozialverhaltens - erweisen sich in IQ-Tests mitunter aber als überdurchschnittlich intelligent. Vor allem diesen problematischen Einzelfällen gilt das Interesse der Öffentlichkeit. Ihr Bild wird dann generalisierend auf alle jugendlichen Überflieger übertragen. Die von betroffenen Eltern allerdings immer wieder geäußerte Vermutung, dass unter underachievern besonders viele Hochbegabte seien, hat sich in den Untersuchungen nicht bestätigt

mehr als 80 Prozent der Hochbegabten kommen in der Schule klar.