In der Ausgabe vom 2. August (Nr. 32) berichteten wir, dass die indische Schriftstellerin Arundhati Roy, Autorin des Weltbestsellers Der Gott der kleinen Dinge, vor den Supreme Court of India zitiert wurde - wegen angeblicher Missachtung des höchsten Gerichts. Roy engagiert sich seit langem gegen ein großes Staudammprojekt am Narmada-Fluss. Unbekannte Zeugen hatten gegen sie sowie ihre Mitstreiter Prashant Bhushan und Medha Patkar von der Organisation der Dammgegner geklagt: Die drei hätten bei einer Demonstration von Umsiedlung und Vertreibung bedrohter Bauern in Delhi die Menge aufgewiegelt und Richter beschimpft.

Nach der ersten Anhörung erging am 28. August das Urteil - in Abwesenheit Roys, die an einer schweren Malariaerkrankung litt. Die eingereichte Klage wiesen die Richter ab, wegen schockierend vieler formaler Fehler (die auch Roy kritisiert hatte). Für Bhushan und Patkar ist damit der Fall erledigt.

Gegen Arundhati Roy aber wird ein neues Verfahren wegen contempt of court eröffnet - nun aufgrund von Passagen ihrer eidesstaatlichen Erklärung.

Darin hatte sie eine Neigung des Supreme Court angeprangert, Kritiker zum Schweigen zu bringen, sie zu belästigen und einzuschüchtern. Das Rechtssystem so drastisch infrage zu stellen gefährde ein Gemeinwesen, so die Richter. Während Roy Demokratie und freie Rede gefährdet sieht.