Es sieht nicht gut aus. Die Stammzellen des Konsumenten erweisen sich als resistent gegen Veränderungen. Sein Drang, auch Dreck zu essen, wenn er nur billig ist, hat alles überstanden. BSE und MKS haben nur so lange wirken können, wie sie in den Schlagzeilen vorkamen. Beim ersten Charterflug nach Mallorca ersetzte die Flugangst die Angst vor dem Rinderwahn. Die verständliche Furcht vor den Produkten der deutschen Agrarwirtschaft ist nicht im Handgepäck der Urlauber. Nicht einmal bei der Algenpest, die ihnen in der Ostsee das Baden vermiest, denken sie an überdüngte Felder. Die von Frau Künast angekündigte neue Landwirtschaft wird vom obersten Bauernfunktionär Sonnleitner, dem verhängnisvollen Lobbyisten der Großagrarier, brüsk abgelehnt. Der Traum von einer ökologisch ausgerichteten Landwirtschaft bleibt wohl, was er war: ein Traum.

Denn stur und unbelehrbar suchen die Schnäppchenjäger in den Supermärkten wie eh und je nach Sonderangeboten aus subventionierten Massenproduktionen. Wir gehören zu den Superreichen dieser Erde, aber unser Konsumverhalten gleicht dem Aldi-Sturm der Ossis beim Fall der Mauer.

Es ist vorauszusehen, dass es uns bei der nächsten globalen Revolution an den Kragen geht, uns, den Shareholdern, den Erben, Dotcomern und Müllproduzenten, und wenn sie uns enteignen, können wir nicht einmal sagen, wir hätten unseren Reichtum mit Anstand, nämlich nach Qualität strebend, genutzt. Dekadenz ohne Stil, wird man uns hinterherrufen, wenn die Trümmer rauchen.

Aber auch die Armen, die sich in unseren High-Tech-Küchen zwischen Eiswürfelspender und Eierkochmodul einrichten werden, auch sie wollen nichts anderes als Cheeseburger und Currywurst. Denn menschliche Stammzellen lassen sich nicht bekehren. Die Künasts und die Bovés sind nur Figuren in einem Computerspiel, das nach den Regeln von Kafkas Schloss gespielt wird. Dolly, das geklonte Schaf, gewinnt immer.

In der zurückliegenden Urlaubssaison hat es nichts gegeben, was den Konsumenten zusätzlich hätte beunruhigen können. Die Vorsitzenden der Staatskonzerne haben in Genua die McDonaldisierung der Erde weiter vorangetrieben, wogegen die üblichen Fortschrittsfeinde demonstriert haben, weil sie den Eskimos unser kalt geschlagenes Ketchup aus der ersten Pressung nicht gönnen.

Das Genussmittel des Sommers hieß Matjes. Matjes am Morgen, Matjes am Mittag und Matjes am Abend. Was sonst hätte ich in Worpswede essen können, ohne eine Kohl-Allergie zu entwickeln?, fragte mich eine Rückkehrerin, die ihre Ferien am Teufelsmoor verbracht hatte. Sie hätten nach Sylt fahren sollen, mischte sich ein Tischnachbar ein, dort kochen ein paar sehr begabte Küchenchefs.

Ich musste ihm Recht geben, obwohl ich mich seit Jahren nicht mehr den Nordseetiefs ausgesetzt habe.