Kaum jemand hat es bemerkt in diesen Tagen des Schreckens. Wegen des Terrors fiel in New York die UN-Sondervollversammlung Zur Situation der Kinder in der Welt aus. Sie hätte in dieser Woche die Aufmerksamkeit auf die Lebensbedingungen der kommenden Generationen lenken sollen. Wir wollen uns den Kindern dennoch zuwenden - es ist doch ihre Zukunft, die in diesen Tagen einschneidend bestimmt wird.

Auf den Seiten dieser Ausgabe der ZEIT lernen Sie zehn Jungen und Mädchen kennen, die unsere Korrespondenten in aller Welt getroffen haben. Kinder aus verschiedenen Kulturen, Schichten und Milieus. Eines ist ihnen gemein: Alle sind zwölf Jahre alt. Geboren 1989, im Jahr des Mauerfalls, in dem auch das Übereinkommen über die Rechte des Kindes formuliert wurde. Diese Konvention, von 191 Staaten unterzeichnet, signalisierte einen Perspektivwechsel: Kinder nicht mehr als Objekte wahrzunehmen, sondern als Persönlichkeiten, die mitreden. Dem Recht der Kinder auf Bildung, Gesundheit, Schutz, ihrem Recht auf Leben sollte mit einem Aktionsplan vor allem für die ärmsten Länder nachgeholfen werden.

In New York hatte man nun Bilanz ziehen wollen. Sie wäre bitter ausgefallen.

Zwar wurden Vitamin-A-Mangel, Darminfekte und andere Kinderplagen in ihrer Ausbreitung gemildert. Doch an den meisten Zielen sind die Regierungen kläglich gescheitert: Ein Viertel der zwei Milliarden Kinder lebt weiterhin in extremer Armut - ohne ausreichende Nahrung, sauberes Wasser, ohne Schulen.

Die Welt sei von den Kindern nur geborgt, heißt es gern. Nichts als fromme Reden. Die Etats für Familienpolitik, Bildung, Entwicklungshilfe werden schnell zusammengestrichen. Die Kluft zwischen Reich und Arm wird breiter.

Auch innerhalb der Industriegesellschaften. Erst recht zwischen Nord und Süd.

Keine Lebensphase prägt so sehr wie die ersten Jahre. Eine gesunde Umwelt, Förderung und Herausforderung, verlässliche Bindungen und Geborgenheit, Raum zum Toben und Träumen geben Kindern innere Kraft fürs Leben. Doch die Chancen dafür sind unerträglich ungleich verteilt. Je mehr ein am Konsum orientierter Lebensstil zur globalen Norm wird, desto mehr Menschen fühlen sich ausgeschlossen. Auch Kinder. Das ist nicht nur ungerecht, es ist zugleich gefährlich. Eine bessere, friedlichere Zukunft braucht eine neue Anstrengung.