Berlin Der Blitzbesuch Tony Blairs bei seinem deutschen Amtskollegen, die Stippvisite des Außenministers in Washington, auch dessen erfolgreiches Bemühen im Hintergrund um eine Feuerpause im Nahen Osten oder der kleine Gipfel mit den elder statesmen am Montagabend im Kanzleramt - das stimmt alles irgendwie.

Richard von Weizsäcker, Hans-Dietrich Genscher und Helmut Schmidt zur Beratung der Lage beim Kanzler: Das kam zur richtigen Zeit. Früh und moderierend hatten sich alle drei zu Wort gemeldet, und sie können wohl auch manches offener aussprechen als Schröder. Weizsäckers Credo: Der Bündnisfall sei erklärt, dahinter führt nichts zurück, das müsse dann aber auch gelten.

Falsche Parallelen wie die zu Pearl Harbor, mahnte er, solle man möglichst meiden. Unüberhörbar war das Bemühen, nicht in eine Eskalationslogik zu geraten, die der Politik keine Luft mehr lässt.

Auch Johannes Rau übrigens hat in dem Sinne völlig richtig gedrängt, "dass wir uns jetzt nicht in den Krieg hineinreden". Er wiederum konnte das deutlicher aussprechen als mancher Parlamentarier, der es denkt. So aber ist die Stille Post des gemeinsamen Entschließungsantrages der rot-grünen Koalition im Parlament zu verstehen. Schröder und Fischer haben sich entschlossen, für ein Maximum an Transparenz zu sorgen. "Rudolf, nicht noch mal wie im Kosovo!", soll der Kanzler Scharping zugerufen haben, als der sich zu hohem Pathos aufschwang. Das zweifelsfrei Richtige, wie man auf den Terroranschlag reagieren soll, gibt es nicht. Vor allem einigen Journalisten scheint das verborgen geblieben zu sein, die alte Konflikte nachspielen, überall Klischees entdecken, von denen wenige zu sehen sind, und die nicht einmal dem Rat des Außenministers folgen mögen, "vom Ende her zu denken".

Schröder und Fischer hingegen sehen das Neue, und sie bemühen sich, eine Verständigung in Europa zu erreichen. Zwischen den schwierigen Polen, Frankreichs Jacques Chirac und Britanniens Tony Blair, könnte auf den Kanzler genau die Rolle des Moderators zukommen. So scheinen die Politiker in Berlin zu erkennen, dass die Tragödie in Amerika sie zwingt, aktiv zu werden und klarzumachen, was sie denken, wollen, raten. Eine Momentaufnahme nach der ersten Schrecksekunde zeigt: Das machen sie - nervös, aber wohl überlegt - gar nicht so schlecht.