Die Messe ist Extremstau. Gelockt von den gleißenden Kräften der Technik, von einem Versprechen auf Tempo und Fortschritt, öffnet der Besucher die eine oder andere Autotür, rutscht aufs glatte Leder, greift nach dem Lenkrad - und steht. Alles erzählt von Bewegung, doch nichts rührt sich. Natürlich nicht, denn dies ist ja nur eine Ausstellung, die IAA in Frankfurt. Da kann man nicht einfach herumbrausen. Dennoch spürt ein jeder die Komik der verharrenden Rasanz, und die Hersteller tun alles, um dies zu überspielen.

BMW hat sich sogar einen eigenen Pavillon geleistet: eine blendend weiße Riesenamöbe, hingelagert zwischen den Messehallen.

Eigentlich ist dies der grandiose Versuch, eine Immobilie zu mobilisieren.

Ein Raum sollte hier entstehen, machtvoll und reißend genug, um Besucher, Autos, am besten die ganze Welt in einen Rausch der Geschwindigkeit zu ziehen. Um eine solche Tempoform zu finden, schalteten die Architektenbüros ABB und Bernhard Franken ihre Computer ein, simulierten ein paar Kraftfelder, dann ein Auto, das durch diese hindurchschnellt, verklärten anschließend das entstandene Linienwirrwarr mit Begriffen wie Offsetmatrix, n-ter Ableitung, Dopplereffekt und tauften den Pavillon auf den Namen Dynaform. Bei BMW war man damit sehr zufrieden, denn auch wenn die Architekten in Wahrheit nur ein wenig auf ihren Bildschirmen herumgespielt hatten, klang das Ergebnis wissenschaftlich und zwingend. Man wähnte sich als Teil der jüngsten Bewegung - und genau die suchte man ja, um das neue 7er-Modell, im Umriss ein wenig satt und weichlich, in Fahrt zu bringen.

Ausgezahlt haben sich Aufwand und Geld (über 100 Millionen Mark) aber nicht.

Was im Computer noch verheißungsvoll schillerte, schlägt in der Wirklichkeit viele Fältchen, nichts ist geblieben von der Makellosigkeit, vom ranken Schwung der Animationen. Wie ein großes Bierzelt, halb in sich zusammengesackt, liegt der Riesenkörper da. Auch innen belebt er sich nicht

die gewaltigen Stahlrippen, viel zu wuchtig für die lasche Zeltplane darüber, wirken wie urzeitliches Ornament. Statischer Unsinn ist das, digitaler Manierismus.