Die Ziele sind hoch gesteckt. Nach dem Inkrafttreten des französischen Reformgesetzes für das Auktionswesen im Juli dieses Jahres kann und will sich Paris auf dem internationalen Kunstmarkt neben London und New York neu positionieren. Für Anfang Oktober erwartet beispielsweise das Auktionshaus Christie's seine erste Lizenz zur Duchführung einer Auktion in eigener Regie.

Bisher war das Auktionswesen in Frankreich, zurückgehend auf ein Edikt König Heinrichs II. von 1556, eine rein nationale Angelegenheit und ein Monopol.

Wer in den 327 Auktionshäusern (davon 70 in Paris) Auktionen durchführen wollte, musste vom Staat dazu als Urkundenbeamter vereidigt sein. Zuletzt arbeiteten in Frankreich 458 so genannte Commissaires-Priseurs, ein mit der Neuregelung des Gesetzes aussterbender Berufsstand. Nur noch Zwangsversteigerungen werden von den staatlichen Auktionatoren durchgeführt.

Nun also stehen die Zeichen auf Öffnung. Anders als bisher können die französischen Auktionshäuser Handelsgesellschaften gründen und ausländisches Kapital aufnehmen. Andererseits ist der Markt nun aber auch offen für die Konkurrenz anderer Länder. Für deren Zulassung braucht man Lizenzen, die der elfköpfige, auf je vier Jahre vom Justizministerium bestimmte "Versteigerungsrat" unter dem Vorsitz des Kammer-Präsidenten der französischen Auktionatoren, Gerard Champin, vergibt. In dem Conseil des Ventes haben unter anderen auch der Frankreich-Chef von Christie's, François Curiel, und seine Kollegin Laure des Beauvau-Craon von der Konkurrenz Sotheby's ihren Platz. Die engagierte Präsidentin hatte 1992 mit einer Klage gegen die Monopolstellung vor dem Europäischen Gerichtshof die Gesetzesnovelle ins Rollen gebracht.

Länger als erwartet verteidigten jedoch die staatlich bestellten Auktionatoren ihr Feld und sitzen nach wie vor auch noch mit Mehrheit im Conseil des Ventes. Ob das als Fortsetzung einer teilweisen staatlichen Kontrolle und Einschränkung des sich öffnenden Marktes einzuschätzen ist oder ob er bei der Lizenzvergabe und der zu überwachenden Durchführung der Auktionen von den Fachleuten profitieren wird, darüber sind die Meinungen noch geteilt. Man wird sehen, ob sich das System besser oder schlechter anlässt als beispielsweise die hiesigen Zuständigkeiten bei der Industrie- und Handelskammer.

Seit bereits über einem Jahr unterhalten die beiden Unternehmen Christie's und Sotheby's sozusagen im ungeduldigen Wartestand großzügige und aufwändige Räume sowie reichlich Personal im Herzen der französischen Hauptstadt. Bisher dienten sie nur für Ausstellungen und Repräsentation. Die erste angekündigte ausländische Versteigerung im Juni dieses Jahres als Sieg über das Monopol durfte Sotheby's allerdings dann immer noch nicht im eigenen Saal in der Galerie Charpentier an der Rue Faubourg Saint-Honoré durchführen.

Einen Monat vor der Ratifizierung des neuen Gesetzes musste die Premiere sozusagen noch durch die Hintertür in den Räumen und unter der Hammerführung der angestammten Étude Poulain-Le Fur eintreten. Dabei ließen sich jedoch bereits glänzende Ergebnisse für französische Möbel, chinesisches Porzellan und Objets d'Art erzielen. Der Einstand konnte sich sehen lassen: 300 Bieter im Saal, 30 an den Telefonen, das war mehr, als man in der Vergangenheit erleben durfte. 65 Millionen Franc erzielte das Haus für die Sammlung des italienischen Antiquitätenhändler-Paares Luigi und Nera Laura.