Nur wenige Minuten nachdem sich die Flugzeuge in die Türme des World Trade Centers in New York gebohrt hatten, ging in der transatlantischen Telekommunikation nur noch wenig. Auch populäre amerikanische Internet-Dienste wie CNN.com und MSNBC.com waren unerreichbar. Die Fernmeldeblockade war in erster Linie die Folge von Überlastung. Allein aus Deutschland wollten nach den tragischen Ereignissen 425 000 Menschen pro Viertelstunde in die USA telefonieren. Normalerweise sind es nur 20 000. Der Anschlag traf einen der "fernmeldeintensivsten Bereiche der Welt", so die US-Telefongesellschaft Verizon - und zerstörte Vermittlungsstellen, Glasfaserkabel und Sendestationen für den Mobilfunk.

Aber nicht nur Telekomnetze waren nach dem Einsturz der Türme schwer beschädigt. Die meisten Firmen, die im World Trade Center ihr Büro hatten, verloren wertvolle Daten. Und Fabriken im ganzen Land fürchteten, wegen des zunächst eingestellten Flugverkehrs ihre Produktion drastisch einschränken zu müssen. Sie sind darauf angewiesen, dass Bauteile just in time ankommen - genau dann, wenn sie gebraucht werden.

Diese Konsequenzen der Katastrophe scheinen zu zeigen, wie gefährlich die Abhängigkeit von der Technik ist. Doch die zutreffendere Erkenntnis ist eine andere: Gesellschaft und Wirtschaft sind inzwischen derart von Technik durchwachsen, dass selbst ein solcher Anschlag wenig ausrichten kann. Er wird den Trend zu mehr Technik wahrscheinlich noch beschleunigen.

Nach wenigen Stunden kamen beispielsweise besorgte Anrufer aus Deutschland wieder durch. Die Telefonate wurden zu weniger ausgelasteten Fernmeldefirmen umgeleitet. Selbst das stark beschädigte Netz in Manhattan war erstaunlich schnell wieder weitgehend funktionstüchtig. Das Internet erwies sich als das zuverlässigste Kommunikationsmedium. Viele Amerikaner hielten per E-Mail Kontakt, was problemlos war. Denn das weltweite Datennetz, ursprünglich ein vom Pentagon finanziertes Forschungsprojekt, ist darauf ausgelegt, auch im Krisenfall zu funktionieren: Elektronische Briefe werden in Datenpakete zerlegt, die automatisch an Defekten vorbei zum Ziel finden. Findige Zeitgenossen bauten zudem schnell Web-Seiten, auf denen Menschen mitteilen konnten, dass sie unversehrt sind.

Das Netz war auch die interessantere Quelle für Informationen, als das amerikanische Fernsehen immer nur dieselben schrecklichen Bilder zeigen konnte. Videoaufnahmen von Privatpersonen waren zuerst im Internet zu sehen.

Noch eindrücklicher freilich war, welche Rolle Funktelefone in der Katastrophe spielten. Kurz bevor die Flugzeuge in das World Trade Center einschlugen, hatten mehrere Passagiere bei Familienangehörigen angerufen, um ein letztes Wort zu wechseln. Nachdem die beiden Türme eingestürzt waren, meldeten sich Opfer per Handy aus dem Schutt der Gebäude - einige konnten gerettet werden.

Schon jetzt ist absehbar, dass der Anschlag die Vernetzung vor allem der Wirtschaft weitertreiben wird. Um Kosten zu sparen, hatten viele US-Unternehmen in den vergangenen Monaten bereits das Reisebudget ihrer Mitarbeiter zusammengestrichen - und sie gebeten, stattdessen Videokonferenzen abzuhalten. Nachdem nun die Sicherheitsvorkehrungen in den Flughäfen strikter geworden sind und Passagiere drei Stunden vor Abflug einchecken müssen, dürften sich in Zukunft noch mehr Menschen virtuell treffen.