Alles im grünen Bereich, Präsident? Ein Blick in den automatisch stufenlos abblendenden Rückspiegel: Der Präsident hopst im Fond auf den champagnerfarbenen Sitzelementen aus perforiertem Antischwitzleder herum. Für dieses Leder mussten 17 täglich in Stutenmilch gebadete Yorkshire-Kälber ihr Leben lassen. Der Präsident kichert. Er hat den Knopf für die Rückenmassage entdeckt. Im Steiß ein Gefühl, als säße man auf einem Sack vibrierender Handys, findet er. Seine Linke liegt auf einer Art Mischpult in der Mitte der Sitzbank, gleich über dem Kühlfach. Von hier aus kontrolliert er Massage, Sitzheizung, Radio und Klima. Gegen Aufpreis gibt's wohl noch das Rote Telefon.

Der Präsident und ich heizen im Lexus durch die Norddeutsche Tiefebene. Typ LS 430, Sonderausstattung President Package. Fünf Meter lang, zwei Tonnen schwer, 160 Riesen teuer, schwarz wie Präsidententinte.

Oberklasse-Premium-Segment, wie man sagt. Ein wirklich fettes Teil. A 27 zwischen Bremen und Cuxhaven, Sonntagmorgen. Lassen wir die acht Pötte mal singen. 200 fährt man mit einer Hand. Mit dem Knie. Mit der Zunge! Dank degressiver Servolenkung - je schneller, desto geradeaus. Das Abo auf die linke Fahrspur ist im Kaufpreis inbegriffen. Verschlafene Sonntagsfahrer fliehen entsetzt auf den Randstreifen. Danach sehnen sich aufgebohrte GTIs und 240-PS-Audis. Hol mal den Testblock raus, Präsident: Fürs Überholprestige geben wir ihm eine Zwei plus.

Der Präsident ist auf den Beifahrersitz geklettert und fingert auf dem Touchscreen der Navigationseinrichtung rum. Sucht seinen Wohnort. Findet seine Straße nicht. Vier minus, notiert er. Der Tacho zeigt 240. 245. 250.

Jau! Diesem Augenblick hatte er entgegengebebt, 250 Sachen, zum ersten Mal im Leben! Gemerkt hat er nichts. Ein Polo bei 80 fährt sich dramatischer. Note: Zwo.

Lexus testen, hatte ich gesagt. Er hatte enttäuscht geguckt. Hatte eher an Bugatti gedacht, Ferrari. Mindestens Lotus. Ähnlich konsterniert würden Präsidenten deutscher Wissenschaftsakademien oder Abteilungsleiter blicken, wenn sie auf die Frage nach ihrem Dienstwagen hören: Lexus! Denn Lexus ist Toyota und heißt nur Lexus, weil Toyota nicht nach Premium-Segment klingt.

Lexus aber klingt wie ein anatomisches Detail, eine griechische Neppinsel.