Die Benachteiligung der Mädchen in Fächern wie Informatik, Mathematik und Physik, die durch Studien ausreichend belegt worden ist, nennt die Autorin "Mythos". Über diesen "Mythos" können Professoren an technischen Fachbereichen ein Lied singen. Der Anteil der studierenden Frauen liegt seit Jahrzehnten im Bereich von zwei bis drei Prozent. Frau Etzold geht anscheinend davon aus, dass dies durch die so genannten "natürlichen" Begabungen der Mädchen und Frauen zu erklären sei. Mädchen sind eben gut in Sprachen, meint sie. Ich möchte ihr ein paar Fakten entgegenhalten: Mädchen und Frauen in anderen Ländern finden durchaus Gefallen an der Technik und an abstrakten Fächern wie Mathematik und Informatik. Dass Deutschland in dieser Hinsicht das Schlusslicht Europas ist, dürfte eigentlich bekannt sein. Ich bin gebürtige Rumänin und habe noch in Bukarest Physik studiert. 50 Prozent der Studierenden waren Frauen, genauso wie auch in den ingenieurtechnischen Fächern. Die Studierenden der Fächer Informatik und Mathematik setzen sich zu 80 Prozent aus Frauen zusammen. Eine persönliche Erfahrung aus meiner Schulzeit: Unser Sprachgenie war ein Junge.

Es ist letzten Endes sehr traurig, dass die Rollenverteilung, die in vielen Köpfen noch sehr stark präsent ist, nicht beiden Geschlechtern in der Schule die Möglichkeit gibt, ihre wahren Talente zu entwickeln, welche es auch sein mögen. So gesehen, ist die Koedukation gescheitert.

Prof. Anca Köhler Rostock