Die Attacke kam zu einer Zeit, in der die US-Wirtschaft viel Grund zur Besorgnis gab. Wir verzeichneten den größten Anstieg der Arbeitslosigkeit seit langem. Der Index des Konsumentenvertrauens gab kräftig nach, und die Zahl der Unternehmen in Zahlungsschwierigkeiten wuchs schnell. Unter Präsident George W. Bush hat sich die Haushaltslage dramatisch verschlechtert. Das ist schlimm angesichts der drei größten Probleme: der niedrigen Sparneigung der privaten Haushalte, des hohen Handelsbilanzdefizits der USA und schließlich der absehbar hohen Kosten der Sozialversicherung. So weit die Situation vor der Terrorattacke. Jetzt kommen zu den ökonomischen noch die politischen Probleme. Zudem werden einige Branchen wie die Luftfahrtindustrie und der Tourismus hart getroffen. Und es ist fraglich, ob weiterhin so viel Kapital in die Vereinigten Staaten fließt. Erst haben wir unsere Attraktivität als Ökonomie mit hohem Wachstum eingebüßt. Nun verlieren wir auch noch den Ruf als sicheres Investitionsziel. Vergangene Woche konnten Investoren mit ihren Papieren an der Wall Street nicht handeln. Das hatte niemand erwartet. Folglich dürften Anleger nun ihr Geld verstärkt in anderen Länder investieren.

Zusammengenommen heißt das: Amerika braucht Mittel, die ihm jetzt aber so leicht nicht mehr zufließen werden. Die zusätzlichen Staatsausgaben können den Rückgang der privaten Nachfrage kaum ausgleichen. Was den Vereinigten Staaten jetzt helfen würde, wäre eine vernünftige Steuerpolitik der Regierung. Allerdings sieht es nicht danach aus, dass wir diese bekommen werden.

Joseph Stiglitz lehrt an der Columbia University. Zuvor war er Chefökonom der Weltbank.