Die Mutter schrieb dem über alles geliebten Sohn einmal in einem Brief:

Von Klosterneuburg gestern zurückgekehrt, wo ich 8 Tage weilte, sehe ich dennoch, daß das Band von Mutter und Kind geheime Verbindung haben muß.

Denke Dir, ich hatte keine Ahnung von Deinen Kabalen als mir in der Nacht von 6. am 7. träumte, du wärst gekommen ganz abgehärmt und bist mir um den Hals gefallen mit thrähnenschweren Augen und sagtest: >Mutter, hier in Meiningen unter dieser Bande konnte ich nicht existieren, ich bin davon

kränke Dich nicht, ich werde schon wieder etwas finden.< Darüber wurde ich wach und konnte nicht mehr schlafen, es fiel mir dein abgehärmtes Gesicht zentnerschwer aufs Herz. Und da von Vater aus Wien kein Sterbenswörtchen Nachricht kam, so packte ich gestern zusammen und trollte mich heim, wo ich deinen Brief fand.

Na, es ist ein altes Sprichwort: Intrigen wie an einen Hoftheater. Es war vorauszusehen, daß die alten Kerls sich beeinträchtigt fühlen werden.

Übrigens: lasse Alles wie es geht und härme dich nicht über solche Theater-Kabalen ... Du bist jung, dir steht die ganze Welt offen. Doch darf dich diese Niederträchtigkeit nicht zu übereilten Übereinkommen mit anderen verleiten. Ruhe und Geduld bringt den Menschen eher ans Ziel als oft ungeduldiges Handeln ...

Ich habe durchaus keine Angst und Kummer um Dein Fortkommen, sondern um Deine Gesundheit und die ist mehr Wert als eine Rolle, die du vielleicht dir noch zu genüge spielen wirst. Daß Du keine Freunde haben kannst, ist natürlich.