DIE ZEIT: Die größte Ermittlungsaktion in der Geschichte ist angelaufen. Wie würden Sie die Terroristen charakterisieren, nach denen das FBI sucht?

Jessica Stern: Nicht viele Terrorgruppen sind zu solch einem Anschlag in der Lage. Und nicht viele haben die Motivation dazu. Die meisten Terroristen sind wie Politiker. Sie haben eine breite Anhängerschaft, deren Herzen sie mit ihren Aktionen erreichen wollen. Diese Gruppe ist ungewöhnlich, weil sie einfach nur Rache sucht oder abseitigen religiösen Motiven folgt. Technisch und logistisch geht sie allerdings sehr professionell zu Werke.

ZEIT: Das allein reicht aber noch lange nicht, um bin Laden als Hauptverantwortlichen zu überführen.

Stern: Das behaupte ich auch nicht. Andererseits kann ich fast jede andere Gruppe ausschließen, die ich kenne. Nehmen Sie die Hamas. Das ist eine der Gruppen, auf die man angesichts der technischen Fähigkeiten kommen könnte. Hamas verfolgt aber politische Ziele. Wie die meisten Terrorgruppen wollen sie die Macht in einem Staat ergreifen.

ZEIT: Daher wollen sie mit Terroranschlägen bei breiten Bevölkerungsschichten populär werden.

Stern: Genau. Anschläge dieser Größenordnung verabscheuen die meisten Menschen auf der Welt aber - unabhängig davon, wo sie leben und welcher Religion sie angehören. Damit gewinnt man keine Anhänger für politische Ziele. Wir können daher ziemlich sicher annehmen, dass es dieser Terroreinheit nicht um politische Macht geht.

ZEIT: Wie muss man sich das Innenleben einer solchen Terroreinheit vorstellen?