Obelix' Entsetzen gilt gekochter Wildsau in Pfefferminzsauce. Auch an anderer Stelle hält er mit der Geringschätzung der britischen Kochkünste nicht hinter dem Berg. In die gleiche Kerbe haut mit Recht der moderne Gourmet. Auf der Insel gibt es Anlässe genug, gequälte und verunstaltete Lebensmittel zu bemitleiden. Allein die Briten kulinarischer Törichtkeiten zu bezichtigen, wäre allerdings ungerecht. Trägt Homo sapiens eine Kochschürze, ist er auf der ganzen Welt zu jeder Schandtat fähig.

Wobei es natürlich nur subjektive Aussagen über kulinarische (Fehl-)Leistungen gibt. Kein Texaner würde Ketchup auf den Hamburger streichen - stattdessen löffelt er Mayo zwischen die Brote. Der Nordstaatler macht's umgekehrt, nimmt Ketchup und hält Mayo für ein Kapitalverbrechen. Zugegeben: ein Streit auf unterirdischem Niveau - schließlich schmieren beide Erdnussbutter auf ihre Pancakes .

Nach Ansicht meines Freundeskreises sind folgende Untaten umgehend mit Knast bei weißem Martini, italienischem Schokoladen-Likör, gegrillten Marshmallows und Eisbergsalat zu bestrafen:

Verboten sind auch die sogenannten Sirupdelikte:

Und genauso strafbar macht sich, wer zwischen zwei Löffeln Mousse au Chocolat noch immer an seinem Bordeaux nippelt oder natürlich wer seinen Single Malt mit gefrorenem Wasser beleidigt. Bei einer Straftat aber bitte ich um Freispruch: Curry am Käseraclette liebt auch meine Schwester heiß.

Doch kehren wir zur Wildsau zurück. Es ist nicht so, dass die Gallier die Viecher nicht auch gekocht hätten. Wie die Autoren des vor einigen Tagen erschienen Buchs "Asterix auf großer Fahrt" (Beck Verlag, München 2001) ermittelt haben, ist Obelix' Abscheu vor gekochtem Wildschwein mit Sicherheit eine Frage des persönlichen Geschmacks. Es gibt mehrere Quellen, dass die Kelten ihr Fleisch nicht nur gebraten, sondern auch gekocht haben. Genauso ihre großen Rivalen. In einem römischen Kochbuch findet sich folgendes Rezept: Aliter in apro: aqua marina cum ramulis lauri aprum elixas quousque manescat. Corium ei tolleis, cum sale, sinapi, aceto infere. Zu Deutsch eine andere Art der Wildschweinzubereitung: Koche das Tier in Meerwasser mit Zweigen von Lorbeer bis es gar ist. Entferne die Haut und serviere mit Salz, Senf und Essig.

Obelix stört sich auch an der Minze. Diese wurde in der Antike tatsächlich häufig als Gewürz verwendet. Die Kombination mit Wildschwein allerdings ist in den alten Quellen nicht belegt.