Ich erinnere mich an das letzte Mal, als ich im 107. Stock stand und durch die "Fenster zur Welt" sah. Ich fasste die Scheibe an, wie ein Kind, und sah die Stadt, wie sie leuchtete, so funkelnd, so elektrisch. Als zeigte sie sich nur mir. Und ich dachte: Du bist meine Stadt.

Die Obdachlosen sehen anders aus. Wie sie in den Hauseingängen liegen, verrenkt und verstaubt, sehen sie leblos aus. Als seien sie zusammengebrochen auf der Flucht vor der Katastrophe.

Die Kerzen erlöschen langsam. Sie brennen vor dem Tor von Rescue Company 1 in der 43rd Street. Es steht offen, und der Leiterwagen fehlt. Er liegt irgendwo unter den Trümmern, zusammen mit elf Männern der Eliteeinheit. Es war ihr Job, in Gebäude zu gehen, aus denen andere herauslaufen, und als der Himmel über der Stadt einstürzte, taten sie genau das. Für die Retter gab es keine Rettung. In die Gesichter derer, die zurückgeblieben sind, hat sich das Schuldgefühl der Überlebenden gezeichnet. "Ich kann nicht reden", sagt einer von ihnen. Es tut ihm weh, nur die Zahl der Vermissten auszusprechen. Die Asche haftet noch an ihm. Er bringt es nicht übers Herz, sie abzuwaschen.

Die Männer stehen in der Halle, als warteten sie darauf, dass die Kameraden zurückkehren. Manchmal sehen sie auf die Haken in der Wand, an die die Verlorenen ihre Jacken und Helme hängen würden. Das ist der Moment, in dem sie weinen müssen. Kenneth Joseph Marino ist noch bei ihnen. Er lächelt. Aber es ist nur das Bild von dem Tag, an dem er Katrina zur Frau nahm. Jetzt sucht sie nach ihrem Ken, Vater von Kristin und Tyler, 1,95 Meter groß, 105 Kilo schwer, braune Haare und Augen. Er trägt ein goldenes Emblem mit der Nummer 767. Wer ihn gesehen hat, bittet Katrina, möge sie anrufen oder ihr schreiben. Ihre Email-Adresse lautet: skyflymom1@aol.com.

Die Rosen, die Lilien und die Sonnenblumen, die in den Blumenläden der Nachbarschaft fehlen, blühen jetzt vor dem Tor von Rescue 1. Die Kinder der Familie Gomez haben ein Bild gemalt, auf dem ein Flugzeug auf zwei Türme zufliegt. "Danke, dass ihr euer Leben gegeben habt, um uns zu retten", haben sie darunter geschrieben. Ein anderes Kind hat sein Feuerwehrmalbuch zwischen die Blumen gelegt. In einem Strauß steckt eine Postkarte von New York, auf der die Türme, unter denen die Männer begraben sind, aus der Silhouette der Stadt ragen. In einem anderen steckt ein weißes Blatt, auf dem geschrieben steht:

Die Flamme und das Eis werden vergehen
aber der Geist und die Erinnerungen sind für immer.

Ein Mann geht vorbei und bekreuzigt sich. Der Pizzajunge steigt vom Rad und zieht seine Kappe.
Dann kommt der Kaplan und sagt: "Jungs, können wir beten?" Er bekreuzigt sich, und die Feuerwehrmänner tun es ihm nach. "Herr", sagt der Kaplan und breitet die Arme aus, "wir wissen, dass du uns liebst. Aber in Momenten wie diesen zweifeln wir an deiner Liebe. Gib uns die Kraft, unsere Zweifel zu überwinden und zu glauben, dass bessere Tage kommen werden." Sie sprechen das Amen und bekreuzigen sich. "Jungs", sagt der Kaplan, "es tut mir so leid." Dann versagt ihm die Stimme, und er senkt den Kopf. Er nimmt die Brille ab und wischt mit einem weißen Taschentuch die Tränen von seinen Wangen. Und die Männer, die er trösten wollte, legen die Arme um ihn.