Seit dem Anschlag dirigiert Dr. Trujillo Teams von Ärzten und Sozialarbeitern durch die Stadt. Sie gehen an den Ort des Anschlags, zu denen, die nicht verarbeiten können, was sie gesehen haben. Sie gehen an die Orte der Trauer, zu denen, die nicht ertragen können, was sie verloren haben. "Die Leute sind überflutet worden mit Emotionen", sagt er. "Es ist wie bei einer Sintflut. Der Fluss steigt über die Ufer, und es dauert eine Weile, bis das Wasser abfließen kann."

Er versucht, Kanäle zu finden. Für den Feuerwehrmann, der am Dienstag seinen ersten Arbeitstag hatte. Für den Broker, der den Anschlag überlebte und vier Tage später immer noch nach seinen Kollegen suchte. "Er wollte nicht nach Hause gehen", sagt Dr. Trujillo, "er war wie gefroren." Er fragte ihn nach den Namen der vermissten Kollegen, und der Mann weinte, endlich. Dr. Trujillo fand Hilflosigkeit überall. Auch in den Operationssälen der Krankenhäuser. Da saßen Ärzte, die niemanden retten und Sozialarbeiter, die niemanden trösten konnten.

Die ersten Tage waren die schockierendsten. Aber die schmerzhaftesten liegen noch vor der Stadt. Wenn die Ruhe zurückkehrt. Und die Einsamkeit der Hinterbliebenen beginnt. "Der Oktober wird schlimmer sein", sagt Dr. Trujillo. "Erst dann werden die Leute begreifen, was sie verloren haben."

Wenn Dr. Trujillo in diesen Tagen durch die Stadt geht, spürt er die Veränderung. "Die Anschläge haben uns das Gefühl der Unverwundbarkeit genommen", sagt er. "Das ist fort, für immer." Verloren wie die Türme. Es tat ihm weh, sie einstürzen zu sehen, und das Bild verfolgte ihn einen Tag und eine Nacht. "Ich habe diese Türme geliebt", sagt er. "Sie wurden gebaut, als ich nach New York kam, und ich bin mit ihnen erwachsen geworden." Seine Augen sehen jetzt traurig aus. Dann dankt er mir für das Gespräch und sagt: "Es tut auch mir gut, über das zu sprechen, was passiert ist."

Mein Vater hat ein Foto seines letzten Besuches in der Stadt gefunden. Es zeigt ihn mit seiner Frau, zwischen ihnen stehen die Türme des World Trade Centers. Er sagt, das Bild sehe immer trauriger aus. Letztes Jahr ist seine Frau gestorben. Und jetzt die Türme.

Ich fahre abends nach Brooklyn, um den Imam der Al Farooq-Moschee zu besuchen. Der Imam hebt den Finger. Er weitet die Augen. Richtet sich auf. Und spricht. "Als aber McVeigh Oklahoma City in die Luft jagte", sagt er, "war er ein Einzelner, und niemand rief, dass alle Christen des Teufels sind." Dann schweigt er. Lässt seine Worte verhallen. Und deutet zur Tür, wo der Polizist mit verschränkten Armen steht. Der Imam hat eine Botschaft an das Portal der Moschee geschrieben. Der Koran hat gesagt, was zu sagen ist. Kapitel 6, Vers 151: "Und töte kein Leben, das Allah heilig gemacht hat."

Amin Awad ist ein kleiner, gedrungener Mann. Sein Bart ist gestutzt, seine Haare gescheitelt. Er trägt ein zu großes schwarzes Jackett, das ihn wie ein Mantel umweht. Er ist seit zehn Jahren der Imam der Moschee, und er spricht mit ruhiger Stimme. Draußen auf der Atlantic Avenue ist der Stadtteil kaum noch als die Heimat der moslemischen Gemeinde zu erkennen. Die verschleierten Frauen, die hier über die Straße gingen, sind verschwunden. Geschäfte haben vorübergehend geschlossen. Auf der Straße fahren Autos, an denen amerikanische Flaggen wehen. Am Tag nach dem Anschlag stoppte jemand, kurbelte jemand das Fenster herunter und rief: "Mörder!"