Keine Fahndung also, nur ein Verwundern. Als ökonomisch angehauchter Schwabe dachte ich mir die Sache eigentlich so: Der homo oeconomicus braucht einen Gegenstand oder eine Leistung - und bei gleichrangigen Angeboten entscheidet der Preis: Ware gegen Geld, so einfach ist das. Das heißt also auf das Benzin bezogen: An der billigsten Tanke wird getankt. Denkste! Merkwürdigerweise entscheidet, so merkwürdig wenig ökonomisch denkt der Mensch, gerade bei äußerst standardisierten und deshalb ganz leicht zu vergleichenden Produkten eben nicht der nackte Preis, sondern oft - die Zugabe, die Werbeprämie. Dass der Gebrauchswert und der Preis nicht alles sind - bei ausgesprochenen Luxusprodukten (Neuer Wall in Hamburg, Maximilianstraße in München, ansonsten keine Namensnennung s.o.) , bei denen der Prestigewert den praktischen Wert (Wärmeeffekt der Kleidung etwa) weit übersteigt, will das ja noch angehen. Aber Benzin als Ware - und Uhren, Taschen und Fahrräder als Prämie? Da könnte es ja noch so weit kommen, dass Uhrenhändler mit der Ankündigung werben, zu ihren Uhren gäbe es einen Liter Benzin als Prämie.

Achtung also am Wochenende, wenn Sie einkaufen! Als mein Urgroßvater zum württembergischen Kommerzienrat ernannt worden war, sprach ihn ein Bauunternehmer fortwährend mit diesem Titel an, bis mein Ahn sagte: "Sparet Se sich de Kommerzienrat und gebet Se mir lieber die Backstoi a bissle billiger!" Als sein Urenkel würde ich sagen: Sparet Se sich die Prämie und gebet Se mir die Ware billiger.

P.S.: Wer diese Kolumne gelesen hat, bekommt am Montag eine neue - als Zugabe!

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