Medizintouristen, obacht! In der Nähe des Londoner Nobelkrankenhauses Harley Street Clinic lauert ein Härtetest für Herzpatienten. Hier prallen Kulturen aufeinander. Auf der einen Seite britische Privatkliniken mit ihrer Neigung, Patienten auch nach großen Operationen extrem früh wieder auf die Straße zu setzen. Auf der anderen indische Restaurants, die nicht nur in London dazu neigen, ungebremst scharf zu kochen. Wankt ein Patient, noch trunken von der Bypass-OP - und nach viel ungesalzenem Kochfisch -, in solch ein Etablissement, folgen zuverlässig lebensbedrohliches Herzrasen und Schweißausbrüche.

Ach, hätte der Patient doch die scharfe Küche schon vorher genossen! Für den an Hardcore-Kulinarien Gewöhnten ist der Ausflug zum Inder nämlich eine posthospitale Wellness-Kur. Vielleicht wäre ihm sogar die Herz-OP erspart geblieben - zumindest wenn die Erkrankung die Folge von erheblichem Übergewicht war. Denn was den britischen Durchschnittspatienten fast ins Grab bringt, ist der Gesundheit der asiatischen und südamerikanischen Bevölkerung sehr dienlich: Scharf hält schlank.

Lange Zeit wurde gemutmaßt, dass das rasende Herz und die heftige Schweißproduktion den so genannten Grundumsatz erhöhen. Kurz gesagt: Im Höllenfeuer einer ultrascharfen Chilischote würde der Körper einfach mehr Energie verbraten. Ein paar australische Wissenschaftler von der Monash University aber wollen herausgefunden haben, dass der Genuß von scharfer Kost in Kombination mit viel Kaffee nicht die Energieabgabe erhöht, sondern die Fressgier bremst und damit die aufgenommene Essensmenge reduziert. Im Test futterten Chili-Würzer durchschnittlich 1000 Kilokalorien weniger als dezent würzende Kontrollpersonen.

Die Forscher haben zudem die Möglichkeit entdeckt, sich allein durch günstige physikalisch-chemische Eigenschaften der Nahrung um die Kalorien herumzumogeln. Nicht nur Geschmack, Geruch und Beschaffenheit des Essens können den Appetit bändigen, sondern sogar "das Geräusch des Kauens". Noch ist aber nicht klar ob "crunch", "muntsch" oder "knurps" die größte klangliche Stütze beim Abnehmen ist.

Bis die Wissenschaft dereinst den richtigen Sound gefunden hat, bieten sich für zart besaitete Gaumen durchaus Alternativen zur asiatischen Küche. Xanthin im Tee lässt das Fett ebenso dahinschmelzen wie Theobromin in Kakao. Cholesterinsenkende Medikamente dagegen sind in jüngster Zeit in Verruf geraten. Mit den wundersamen Erkenntnissen der Ernährungsforscher ist da ein Ausweg gefunden: scharfes Knister-Food mit Kaffeezusatz.