Getreu dem Motto "Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende" verramschen private und institutionelle Investoren derzeit ihre Aktienbestände zu Schleuderpreisen. Dahinter steht die Angst, dass die Terrorakte in den USA den Konjunkturabschwung verstärken und weit bis ins Jahr 2002 verlängern. Trifft diese Befürchtung zu, werden die Gewinne der Unternehmen noch mehr fallen - ihre Aktien wären dann trotz der eingebrochenen Kurse immer noch zu teuer. Manch einer hofft auf eine baldige Wende und überlegt: Was tun mit den Verlusten? Das einst investierte Geld ist verloren. Niemand glaubt, dass die Deutsche Telekom in absehbarer Zeit wieder auf 70 Euro klettert oder Nokia auf 65 Euro. Über den Neuen Markt nachzudenken lohnt sich gar nicht mehr.

"Kategorisch alle Luftnummern raus. Egal zu welchem Kurs", sagt Dirk Schmidt, Anlageexperte beim Bankhaus Hornblower Fischer. "Das Massensterben beginnt jetzt gerade." Gemeint sind vor allem Unternehmen am Neuen Markt, bei denen Insolvenzgefahr besteht. Diese Meinung teilen viele Experten. Schmidts Rat: Die Anleger sollten alle Aktien in ihren Depots unter die Lupe nehmen und "überlegen, ob die dahinter stehenden Unternehmen etwas geschaffen haben, was einen Wert besitzt". Wenn das nicht der Fall ist: verkaufen. Solide Anlagen sollten dagegen durch die aktuelle Krise hindurch gehalten werden. Das gilt für Marktführer, die innovative Produkte herstellen und über solide Gewinnmargen verfügen.

Einen Trost gibt es für die gebeutelten Aktionäre. In vielen Fällen dürfen sie Finanzminister Eichel an ihren Verlusten beteiligen. Beispiel: Wer im Oktober 2000 Aktien der Kinowelt gekauft hat, verlor rund 95 Prozent. Verkauft der gebeutelte Kinofreund die Aktie noch innerhalb der Spekulationsfrist von einem Jahr - also noch vor Ende Oktober -, darf er den Verlust in seiner Einkommensteuererklärung für das Jahr 2001 absetzen. Bei einem persönlichen Steuersatz von 50 Prozent trägt der Staat dann die Hälfte des Verlustes. Das gilt allerdings nur dann, wenn der Anleger auch Gewinne aus Spekulationsgeschäften erzielt hat; denn Gewinne und Verluste dürfen nur innerhalb derselben Einkommensart verrechnet werden.

Allerdings kann das Minusgeschäft ein Jahr zurückgerechnet werden. Ein Verlust, der in diesem Jahr realisiert wird, darf auch in der Steuererklärung für das Jahr 2000 berücksichtigt werden, nicht jedoch für die Jahre davor. Leider erzielten in diesem Jahr nur die wenigsten irgendwelche Gewinne am Aktienmarkt, die sie ihren aktuellen Verlusten entgegenhalten könnten. Doch auch da bietet das Steuerrecht einen Ausweg: Verluste, die 2001 anfallen, dürfen auch noch in der Steuererklärung für das Jahr 2002 oder in den nachfolgenden Jahren berücksichtigt werden. Der Gesetzgeber erlaubt nämlich einen zeitlich unbegrenzten Verlustvortrag.

Auch für Anleger, die in diesen Tagen nicht verkaufen wollen, gibt es einen Steuertrick. Wer etwa Nokia in den vergangenen zwölf Monaten zu höheren Kursen gekauft hat und daran festhalten will, weil er an eine Erholung glaubt, kann die Aktie heute verkaufen und nach einiger Zeit wieder zurückkaufen. In den USA gilt für den steuerlich akzeptierten Verkauf und Rückkauf eine Frist von 30 Tagen. Steuersparfüchse in den USA verkaufen in diesem Fall Nokia und kaufen stattdessen Aktien des Konkurrenten Ericsson, weil sich die Kurse der Handyhersteller tendenziell im Gleichschritt bewegen. Wenn die Frist von einem Monat verstrichen ist, tauschen die Anleger die Ericsson-Aktien wieder in Nokia-Anteile um. In Deutschland existiert (anders als in den USA) keine offiziell festgelegte Frist. Der Anleger muss lediglich eine "angemessene Zeitspanne" einhalten. Wie lange die dauern darf, entscheiden die Finanzbehörden.