In dieser Woche kommt die Dienstrechtsreform von Bundesbildungsministerin Edelgard Bulmahn zur ersten Lesung in den Bundestag. Bestandteil dieser Reform ist die Einführung einer Juniorprofessur. Diese an deutschen Hochschulen bislang unbekannte Personalkategorie soll - nach dem Vorbild des bewährten amerikanischen assistant professor - dem wissenschaftlichen Nachwuchs mehr Selbstständigkeit für eigene Forschung und Lehre eröffnen. So bindet sie ihn zum Beispiel nicht mehr an einen Lehrstuhl und damit an dessen Inhaber. Juniorprofessoren können sich an den Hochschulen bewerben und dort bewähren. Das erhöht ihre eigenen Karrierechancen und kurbelt den Wettbewerb unter den Universitäten an, die sich künftig um den qualifiziertesten Nachwuchs raufen werden. Das ist zumindest die Hoffnung.

Ob sie sich erfüllt, lässt sich noch nicht beurteilen. Allerdings gibt es bereits erste Vorbeben der Reform. Und diese deuten darauf hin, dass ein Gesetz allein nicht genügt, um die Hochschulen in Bewegung zu bringen. So haben jetzt die ersten Universitäten - Göttingen, Marburg und die Berliner Humboldt-Universität - in vorauseilendem Reformeifer die ersten Stellen für Juniorprofessoren ausgeschrieben. Die Art der Ausschreibung nährt jedoch den Verdacht, dass es weniger um Wettbewerb als um Bedarfsdeckung geht.

Beispielsweise kündigte ein Vertreter der Humboldt-Universität an, die Stellen sollten vor allem mit Wissenschaftlern aus dem eigenen Haus besetzt werden. Und neben zahlreichen Ausschreibungen in Göttingen steht die - potenziell abschreckende - Bemerkung, eine interne Bewerbung liege bereits vor. Eine Ausschreibung sucht gezielt jemanden, der "Auswahl und Kontrolle der dem akustischen Kommunikationsverhalten von Feldheuschrecken zugrundeliegenden molekularen Vorgänge im Gehirn" charakterisieren soll. Zu Recht kritisiert eine Gruppe von Nachwuchswissenschaftlern, von denen die meisten in den USA forschen, solche Ausschreibungen machten kund, "dass weltweit nur ein einziger Bewerber die Voraussetzung erfüllt, nämlich der aus dem eigenen Haus".

Ist es denkbar, dass die deutschen Hochschulen trotz Dienstrechtsreform mit dem Nachwuchs verfahren wie eh und je? Es wäre ja nicht das erste Mal, dass sie gut gemeinte Reformen unterlaufen. Deshalb gilt: Ohne Qualitätskontrollen und externe Evaluationen von Forschung und Lehre schaffen leider auch die besten Gesetze keine besseren Hochschulen.