Vor kurzem noch haben wir an dieser Stelle die BoBos ausgemacht, jene selbstverliebte Nachfolgegeneration der Yuppies. Auch die Afterworkclub-Besucher, Sandalenträger und Internet-Verlierer wurden hier gewürdigt. Heute haben sie zum ersten Mal etwas gemeinsam: Alle spüren, dass ihre bisherigen Probleme vergleichsweise belanglos waren. Der Terroranschlag traf mitten ins sorglose Herz der so genannten Ich-Gesellschaft. Ein kollektiver Schock erfasst eine gesamte Generation, die nie Schlimmeres erlebt hat als den Golfkrieg, der sich weit weg abspielte. Eine neue Nachdenklichkeit setzt ein. Mein Nachbar etwa will jetzt einen Kurs über Weltreligionen belegen. Meine Freundin überlegt, ob nicht in den verquasten Programmen der Globalisierungsgegner doch ein paar Wahrheiten stecken, und will das nächste Mal besser zuhören. Einigen dämmert, dass unser hedonistisches Dasein in manchen Gegenden dieser Welt ziemlich viel Hass hervorruft und dass es dafür Gründe gibt. Allerdings keine, die Terror rechtfertigen. Die große Umkehr wird das alles nicht einleiten, aber immerhin wünscht sich kaum jemand die seichten Zeiten zurück. Das wäre reaktionär. Es wird jetzt ein paar neue Themen geben, die die Exspaßgesellschaft beherrschen. Und vielleicht ist es gar nicht so schlimm, dass Lego-Pornos nicht mehr die höchste Priorität haben.

Die Autorin moderiert und leitet das TV-Magazin "Polylux", jeden Montag um Mitternacht in der ARD