Wenn Moderatoren reden, ist das gut. Wenn sie schreiben, wird dies schon riskant. Wenn Ulrich Wickert schreibt, ist das zwar in der Regel nicht riskant, weil er am liebsten über den Wert der Tugend berichtet, vor allem mit Texten anderer, die er unter eigenem Titel nur herausgibt. Aber wenn Wickert von diesem Pfad der Tugend abkommt, dann wird es offenbar nicht nur riskant, sondern peinlich.

Bush und sein Erzgegner Bin Laden glichen sich in ihren Denkstrukturen, so hat Wickert also geschrieben – bei Gelegenheit einer Promotion eines weiteren Buches über Tugenden und Werte. Immerhin ist er auch auf diesen Gedanken – wenngleich er ihn selber äußerte – nicht ganz von alleine gekommen, denn als Vorlage zitierte er aus einem Aufsatz der indischen Schriftstellerin Arundhati Roy. Nun also das übliche Hin und Her aus strengen Forderungen und halbgaren Entschuldigungen. Nicht mehr tragbar, sagt Angela Merkel – als ob sie ihn bisher getragen hätte. Meine Ansicht: Niedriger hängen!

Aber wo bleibt nun die angekündigte politische Unkorrektheit? Hier kommt sie!

Man muss kein willen- und gedankenloser Anbeter der "Amerikaner" sein – schon diese Pauschalisierung: "die Amerikaner" beleidigt nicht nur das eigene Denkvermögen, sondern auch die vielen Amerikaner, die selber denken können; und solche gibt es, zur Überraschung mancher sogar in der Spitze der US-Regierung – man muss also die Solidarität mit Amerika, sagen wir doch einfach: die sachbezogene Treue im Bündnis, also auch zu den eigenen Interessen, die das Bündnis schützen soll, man muss dies alles nicht im Sinne einer Hurra-Blindheit betreiben, um über ein gewisses Gefälle zu staunen – selbst bei aller berechtigten Kritik an einzelnen Handlungen und Haltungen der amerikanischen Gesellschaft und Politik; die dort übrigens mitunter schärfer kritisiert werden als hierzulande.

Nun also endlich zur Unkorrektheit:

Ich beobachte zuweilen ein Gefälle in gewissen Äußerungen, demzufolge es selbst nach den Attentaten von New York und Washington so aussieht, als seien die "Amerikaner" immer noch gefährlicher als die Terroristen – und als gehe die eigentliche öffentliche Gefahr für die Welt von Amerika aus. Und nun sage ich: Wer so redet, der gleicht in seinen Denkstrukturen unfreiwillig – der Propaganda der fundamentalistischen Islamisten.

Untragbar?