die zeit: Sind Sie Osama bin Laden schon einmal begegnet?

Machmut Garejew: Ich hatte das erste Mal im Frühling 1989 mit ihm zu tun. Bin Laden organisierte einen Angriff auf die von uns gehaltene Stadt Dschalalabad. Er bezahlte seine Rebellen gut und schickte Staatschef Nadschibullah diverse Ultimaten. Ich befehligte die Verteidigung der Stadt und wurde dabei verwundet. Aber wir haben bin Laden geschlagen. Er ist übrigens eine amerikanische Kreatur, von US-Geheimdiensten geschult.

zeit: Warum konnte die Sowjetunion Afghanistan nicht unter ihre Kontrolle bringen?

Garejew: Wir unterstützten die Revolution und die fortschrittliche Regierung von Nadschibullah. Sie genoss die Unterstützung der Intelligenz und der Arbeiterklasse. Nur beim Volk war sie leider weniger beliebt. Wenn wir einen Ort befreiten, richteten wir eine örtliche Verwaltung ein. Doch sobald wir uns zurückzogen, stürzte sie, weil sie keinen Rückhalt im Volk hatte. Am Anfang hatten die Menschen unsere Truppen noch mit Blumen begrüßt; aber als Rebellen und Banditen aus Pakistan und dem Iran eingeschleust wurden, begannen die Probleme.

zeit: Mit welchen Problemen hatten Ihre Truppen zu kämpfen?

Garejew: Das Klima machte uns zu schaffen: Es ist entweder viel zu kalt oder viel zu heiß. Epidemien zogen durchs Land. Viele Soldaten wurden krank und lagen in Lazaretten. Von unseren rund 100 000 Soldaten kämpften immer nur 20 bis 25 Prozent. Viele mussten Flughäfen, Straßen und Gebäude bewachen, denn die Rebellen versuchten systematisch, die Infrastruktur zu zerstören. Wenn die Amerikaner einmarschieren, werden sie dasselbe Problem haben: Sabotageakte in Afghanistan, in Pakistan oder wo sie sonst noch stationiert sein werden.

zeit: Glauben Sie, dass sich Afghanistan überhaupt erobern lässt?