Automatisch ist der Beschluss dennoch nicht gefallen. Der Dialog zwischen den Beteiligten diesseits und jenseits des Atlantiks offenbarte vielmehr Differenzen, die ähnlich bald auch bei wichtigeren Entscheidungen als im Sport auftreten könnten. Spielen oder nicht spielen? Die Antworten markierten Unterschiede in der Seelenlage, bei der Gefahrenanalyse wie beim Umgang mit der Krise.

Nun sind Golfspieler allemal sensible Naturen, die Profis sowieso: Wo Perfektion verlangt wird, wo Millimeter zählen, wo Geist und Körper für Höchstleistungen harmonieren müssen, muss das Umfeld stimmen. Störungen sind nicht erlaubt. Aber sie können eintreten, wie jetzt geschehen. Die Terrorangriffe haben einen psychologischen GAU verursacht, der auch die Spieler aus dem Gleichgewicht geworfen hat. Sollten sie nach der Methode des amerikanischen Präsidenten George W. Bush verfahren, der seinen Landsleuten empfiehlt, Normalität zu versuchen und sich beim Baseballspiel zu entspannen? Oder sollten sie dem Erschrecken durch Verzicht auf das Turnier Tribut zollen?

Die Antwort wäre sicher leichter gefallen, wenn es sich um einen der vielen, weltweit veranstalteten und hoch dotierten Wettkämpfe gehandelt hätte. Doch es ging um den Ryder Cup, das Olympia des Golfs. Ein Fest der Emotionen, bei dem die Amerikaner diesmal auf Konkurrenten aus sechs verschiedenen Nationen der Europäischen Union treffen sollten. Dabei wird nicht um Geld gespielt (Preisgeld wird nicht vergeben), sondern um die Ehre. Um teilnehmen zu können, werden Profis willentlich zu Amateuren. Sie wollen, hüben wie drüben, zu den Besten gehören, die alle zwei Jahre ihr Land, ihren Kontinent vertreten dürfen.

Die Golf-Olympiade zieht jedes Jahr die Besten der Kontinente an

Um dabei zu sein, konkurrieren die Spieler lange, manchmal Jahre. Deshalb fällt vielen von ihnen der Verzicht auf die Austragung des Ryder Cups auch so schwer. Bis vor vier Wochen dauerte der Kampf um die Plätze im europäischen Team. Bis zuletzt mühten sich Cup-Veteranen wie der Walliser Ian Woosnam oder der Spanier José Maria Olazabal bei den BMW Open in München um die Nominierung. Vergebens. Sie konnten nicht, wie Bernhard Langer, in der Gewissheit aus München scheiden, zu den zwölf besten Golfern Europas zu zählen. Oder wie der Ire Padreig Harrington davon schwärmen, "das Größte" erleben zu dürfen.

Dabei ist der Ryder Cup für die Spieler nicht immer ein Vergnügen, er kann zur Qual werden. Denn was bei normalen Turnieren die Ausnahme ist, wird beim Wettkampf der Kontinente zur Regel: Zittern, Tränen, weiche Knie. So etwas geschieht nun einmal, wenn Einzelkämpfer zu Mannschaftsspielern werden, wenn statt des Geldes und persönlichen Glanzes der Ruhm für die europäischen oder amerikanischen Farben zum Ansporn wird. Und wenn Nationen und Kontinente auf ihre Golfer schauen.

Die Europäer (von den Briten und Iren abgesehen) zog der Ryder Cup nie stark in den Bann; dafür gibt es in der Alten Welt schlichtweg zu wenig Spieler, nur rund fünf Millionen. Die amerikanische Golfnation mit ihren mehr als 25 Millionen Spielern hingegen hing an den Fernsehschirmen, um ihr Team siegen zu sehen. Ein Triumph hätte gerade jetzt amerikanische Seelen salben können. Garantiert war er freilich nicht, denn seit 1979, seitdem statt allein der Briten (und später noch der Iren) das Vereinte Europa antrat, haben die USA bei elf Turnieren immerhin fünfmal auf den Cup verzichten müssen.